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Kulturpolitik 2018 UNESCO Weltbericht am 9.2. in Berlin: Kulturpolitik neu gestalten

Kreativität fordern – Entwicklung voranbringen

ein wirklich passendes Motto hatte die Deutsche UNESCO Kommission für ihre Präsentation des UNESCO Weltberichtes Kulturpolitik gewählt, denn nur zu oft wird deutlich  – wie die Politik der Länder des ehemaligen Ostblocks bewies, dass es ohne Kreativität keine Entwicklung gibt. Dies zeigt die stürmische Entwicklung des kleinen Landes Estland  in der Gegenwart,  das durch die Abhängigkeit von der großen SU doppelt abgehängt war.

Als Ort für diese Präsentation hatte man das Mozart Auditorium der Barenboim-Said Akademie in Berlin-Mitte gewählt, wohl als besonders gelungenes Beispiel einer völkerverbindenden Kooperation im Hinblick mögliche Zusammenarbeit zweier politisch verfeindeter Völker, nämlich Israel und Palästina, mit der Musik als Basis und Klammer dieser Entwicklung.

In der Tradition der UNESCO liegt aber die Arbeit am Abbau des Nord-Süd Gefälles, die auch hier als genuine Aufgabe Deutschlands eingefordert und als dringendes Postulat der EU definiert wurde, wie es gerade die ökonomischen Krisen Südeuropas von Griechenland bis Portugal gezeigt haben. Dass die EU über die permanent diskutierten wirtschaftlichen Probleme versäumt hatte, den kulturellen Zusammenhang auf diesem Kontinent  zu fördern, wurde hier ohne Widerspruch in die Diskussion geworfen.

Zur Arbeit der Kommission gehört die Förderung der Bildungsarbeit in den südlichen Ländern, insbesondere Afrika. Für diese Länder ist die UNESCO oft die einzige Quelle zur Aktivierung  und Förderung von Projekten. Dass diese Förderung stark bedroht ist, weiß man aus Fernsehen und Zeitungsberichten, da die USA  ihre Mitgliedschaft in Frage stellt und damit eine Kürzung der Mittel droht, die z.B. die Arbeit der Schulen in Palästina in Frage stellt. Dr. Danielle Cliche, Leiterin des UNESCO Sekretariats 2005er Konvention und Chefredakteurin des UNESCO Weltberichts 2018, Paris  UNESCO war daher auch als Bittstellerin gekommen, in dem sie auf die Aufgaben Deutschlands bei der Entwicklung  dieser  Länder  hinwies – schon als Gegenmaßnahme zur Eindämmung der Flüchtlinge aus diesen Ländern. Sie forderte daher von Deutschland eine stärkere Kooperation und den Einsatz höherer Mittel. Leider fehlt bei diese Diskussion das Problem der Identitätsfindung. Wenn kulturelle Teilhabe zur Ausformung der Identität notwendig ist, wie steht es mit der der Syrer etc. Dieses Problem wurde jetzt überdeutlich bei der Wahl der türkischen Mitbürger bei der Wahl des türkischen Präsidenten. Es ist bestimmt nicht damit getan, indem man Jugendlichen Holz gibt, damit sie ihre Instrumente bauen: Neokolonialismus hat viele Gesichter und verfestigt sich nicht allein an Gegenständen in den Museen.

Der Bericht von Dr. Cliche mündete daher folgerichtig in einen R.T. mit Forderungen an die Kulturpolitik Deutschlands mit den Teilnehmern Dr. Christine Merkel, UNESCO Weltbericht, Prof. Chr. Höppner, Deutscher Kulturrat , Prof. Dr.Wolfgang Kaschuba, HU und Deutsche UNESCO Kommission  Dr. Tobias Knoblich, Kulturdirektor Erfurt Kulturpolitische Gesellschaft.

Es war daher nicht verwunderlich, dass die  Teilnehmern bei dem Stand der kulturellen Entwicklung in Deutschland  durch Kommune, Land und Staat  eine gegenseitige umfassende Information über Projekte und Strukturen im Vordergrund der Forderungen stand. Eine Übersicht über die Struktur der Maßnahmen  und wissenschaftliche Aufarbeitung wurde ebenfalls gewünscht und gab den  eindeutig von der Kommunalpolitik diktierten Einwürfen von Dr. Knoblich die notwendige realistische Basis. Es käme wirklich darauf an, die geplanten Maßnahmen auf Kreativität und deren Förderung hin zu prüfen und dafür bräuchte man geeignete Strukturen, Er verwies dabei auf die Vielzahl gescheiterter Projekte wie z.B. jedem Kind ein Instrument in Nordrhein-Westfalen. Leichte Verzweiflung überkam einen bei den Schlussworten dieses Vormittags  mit der Forderung, endlich die Abgrenzung in der Diskussion zwischen Bildungs- und Kulturpolitik zu schließen, sind dies doch verschiedene Seiten einer Medaille, ein uralte Diskussion, die schon die Einrichtung von Kultur- und Wissenschaftssenat in Berlin vor nunmehr 50 Jahren bestimmt hat.

Aber das Thema hat nach der neuesten Studie der Bertelsmann Stiftung erneut an Brisanz erfahren, nachdem der sich stetig verschlechternde Bildungsstand der jungen Generation eine kulturelle Teilhabe nicht nur verhindert sondern ausschließt.

Wenn man die Barenboim-Said Akademie in der Französischen Straße betritt, überkommen einem ketzerische Gedanken: Wie würde die Jugend auf diese gesammelten weisen Sprüche, die im ganzen Gebäude angebracht sind, reagieren: ignorieren, verspotten, oder aggressiv – im schlimmsten Fall zerstörerisch. In der chinesischen Kulturrevolution  wütete eine Jugend gegen ihre alte Kultur. Kreativität kann nur mit Teilhabe gefördert werden, und nur diese allein bedingt Entwicklung.

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Digitale Drohung – digitale Verrohung

„Furcht  vor Zerstörung und der Hoffnung auf Erlösung“ nennt die Zeitschrift Password ihren  Aufruf, sich vor der  künstlichen Intelligenz nicht zu fürchten. Die Digitalisierung, wie eine Heilsbotschaft und Lösung aller Probleme wird sie von Politikern und anderen Funktionären verkündigt. Wer diesem Weg nicht folgt, ist unmodern und von gestern. Microsoft President Brad Smith erklärt, warum Künstliche Intelligenz ganz andere Arbeitsplätze bedroht und schafft als wir heute denken, schreibt der Berliner Tagesspiegel und man fragt sich, woher weiß er das… „Big Data“ – jenes vor Jahren auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellte Buch sagte den Tod vieler Branchen voraus, besonders aller derer, die mit Statistiken und Erhebungen zu Ergebnissen von Studien etc. beitragen. Kein Mensch kann also die Veränderungen, die dem sozialen Miteinander  und der Ökonomie bevorstehen, leugnen. Ob es damit viele neue Jobs geben kann, darf bezweifelt werden und jene Euphorie, die die Start-Ups zur Zeit tragen, lebt  von einigen erfolgreichen Bespielen und es ist fast rührend, wie offizielle Reportagen die Zahl der Mitarbeiter, natürlich wachsend, preist.

Die Folgen der Digitalisierung entziehen sich unserer Kenntnis, sie wird unsere Welt ändern. Auch wenn das Land von der elektronischen Entwicklung abgeschnitten ist, weil sich Deutschland leistet, dieses mit seinen Bewohnern vom Netz und dem schnellen Zugang zu ihm abzuhängen, man kann sich sicher sein, dass  auch hier eine Lösung gefunden wird.

Keine Lösung findet sich für die Digitalisierung als Drohung. Dies sind Folgen, die man schon abschätzen kann, sie sind manchmal sichtbar und sie sind zum Fürchten. Ein neuer Personalausweis muss alle Daten tragen, auch die des Zugangs zu Zahlmitteln. Einer Ablehnung dieses Datenzugangs wurde nicht stattgegeben. Die Bundesregierung hat das angeordnet, unterrichtete ein Beamter im Rathaus von Wilmersdorf /Charlottenburg und  vermittelte uns eine fürchterliche Erfahrung, ein Beamter, der es mit der Wahrheit nicht genau nimmt, denn im Prenzlauer Berg, einem anderen Berliner Bezirk  ist das nicht zwangsweise erforderlich. Warum kann ich den Zugang meiner Daten auf einem Träger nicht verweigern?  Dies ist ein Eingriff in die Persönlichkeit, die Amazon und Google harmlos aussehen lassen. Der Staat will überall und ungestört an unsere Daten und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dahinter nicht das immer wieder zitierte Sicherheitsbedürfnis der Bürger steckt, sondern der Wunsch nach Besitz der Daten allumfassend… nicht der gläserne Bürger ist das Ziel, sondern der Untertan: bewacht, beeinflussbar,  ohne Freiheit. Gleichzeitig gibt es eine überbordende Bürokratie. Kam man als bescheidener Bausparer am Ende des Jahres mit drei Seiten aus, sind es heute sieben. Hat es einmal eine Zeit gegeben, in dem der Bürger seine Einkommensteuer alleine machen konnte? Lang lang ist es her und den Abrechnungsbogen,  versteht man ihn? Sie haben ihr Konto gewechselt, eine einfache Sache neue Bank, neues IBAN, nicht so bei unserem geliebten Finanzamt, man braucht eine Bestätigung, dass dies wirklich ihr Bankkonto ist. Die Deutsche Bank schickt eine falsche Rechnung, Sie müssen einen Dreizeiler schicken, dass diese falsch ist, was für eine Kundenkommunikation! Unser staatlich gefördertes Fernsehen, angeblich zur Bildung knallt uns mit Krimis und Schlagern voll, am liebsten in Wiederholung. Warum nicht privatisieren, dann kann jeder sich aussuchen, was er wann sehen will. Aber es kommt der Verdacht auf, dass auch das Öffentlich rechtliche als Datenlieferant fungiert.

Also die Quintessenz. wir schaffen den Untertan, das ist einfacher und sauberer und bietet die notwendige Kleinarbeit, wenn es uns nach Staatsterrorismus dürstet evt. mit einem mörderischen Ausgang.

Denn eines sollte den Regierungen und Regierenden klar sein: es solches Land ist kein Land des Friedens sondern der Verrohung. Wohin das führt zeigt die Geschichte Deutschlands. Es waren nicht Vertreter einer Demokratie, die Soldaten des  Ersten Weltkrieges, es waren Untertanen, wie es das Kriegstagebuch zeigt, das jetzt zum 100 Jahrestag des Kriegsendes erscheinen wird. Und diesem Ersten Weltkrieg folgte der Zweite in diesem mörderischen Jahrhundert.

Digitalisierung soll Erleichterung und Arbeitsersparnis bringen, aber sie kann auch unzählige neue Machtstrukturen generieren, die #metoo-richtig herzig erscheinen lassen, Machtgefälle in den Harz 4-Ämtern und anderen Amtsstuben, die unser Leben nicht nur beeinflussen sondern unerfreulich bis gefährlich machen. Wir kennen die Zukunft nicht,  aber der Preis der Freiheit und der Verlust der Eigenverantwortung ist zu hoch – jetzt und in Zukunft.

Wenn Hass eine Meinung ist

Politclowns:

Sie lügen dir schamlos die Hucke voll
Und sprechen blauäugig von Wahrheit
Sie stochern im Dickicht der Fakten herum
Und spielen das Puzzle der Klarheit.
           —
Politclowns, sie findest du überall
Bei den Schwarzen, den Grünen, den Roten
Die Falben tanzen zwei links und zwei rechts
Und zwitschern dazu ohne Noten
          —
Schattengeboxte Begriffe zuhauf
Fixiert  in verblas’nen Programmen
Irrlichtern vernebelnd landab und landauf
Karikieren den mündigen Bürger
         —
Der mündige Bürger.  bist du kleiner Mann
der den Mummenschanz längst durchschaute
doch beharrlich gegen den Augenschein
auf Anstand und Redlichkeit baute
       —-
 Verweigre dich einmal nur ihrem Spiel
Und du machst sie zu Marionetten
Wie entgeistert wären die Polticlowns
Wenn sie selbst sich zu wählen hätten.
(R. Grothe)

ISBN -13 978-3-945610-40-4

Nanu! Ist das nicht aus der vor-digitalen Zeit?, meint der Leser und hat Recht: Nur würde in diesem Jahr nach der Berliner Sylvesternacht der Schluss des Gedichts gewalttätiger ausfallen. Wem Hass eine Meinung ist, schreibt der Berliner Tagesspiegel über ein Gesetz, dass die Löschung von angeblichen Hass-Mails den Anbietern überlassen will und damit das Gewaltmonopol des Staates aufweicht und die Meinungsfreiheit bedroht. Wer die Urteile über dem Bestseller „Fire and Fury“ liest, glaubt an eine Fortsetzung des Kulturzerstörers (2014, Neuauflage 2016) der erstmalig Vorwürfe gegenüber den Funktionsträger erhob, die den Bürgern nicht die Mittel in die Hand geben, um sich umfassend und selbstbestimmt informieren zu können.  Mit seinem dringenden Aufruf  von David Lankes an die Verantwortlichen im Land und in der Kommune „Erwarten  Sie  mehr“sollen Bibliotheken  Zentren der Information und des Lernens für Bürger jenseits aller politischen Einflussnahme sein. Diese Forderung ist zentral für ein demokratisches und freiheitliches Gemeinwesen, in dem jeder Bürger sich jenseits von Gängelung und Zensur informieren kann, auch wenn diese wie ein Kartenhaus sich gebärdet, wie der Tagesspiegel vom 9.1. über das Weiße Haus schreibt. Wo wäre sonst der Unterschied zur Zensur. Über Jahrhunderte hat dies die gesellschaftliche Entwicklung in Russland  verhindert, wie M. Tax Choldin es erschütternd in „Der Garten der Zerbrochenen Statuen“  beschreibt. Es sind letztendlich nicht die Statuen, sondern die Menschen, die durch jedes Regime, das die Freiheit beschneidet und ausgrenzt, gebrochen werden. Sollten sie doch lieber den Ratschlägen folgen, die R. Grothe seinen Berliner Zeitzeugen gab  – und dies vor mehr als 50 Jahren (R. Grothe: Lebensworte eine Liebenden)

Büchermesse im Buchquartier Wien

„Wohin heute“, fragte die Wiener Kronenzeitung und erhielt die Antwort: zum Buchquartier, dem Markt der Independent und Kleinverlage. Es gibt sie noch in Österreich und sie zeigten wunderbare Bücher, passend zur Ausstellung über Rubens mit neuen An- und Einsichten die schönsten Kunstbücher, Philosophie, Dichtung,  Wien mit allem und in allen Seiten, Kinderbücher, Humor, Hinterhältiges und Komisches, Dichter, die keiner kennt und man weiß nicht, warum das so ist, Natur, Biographien, Historie und Gegenwart, die Gesammelten Schriften von D. Trump, Kinderbücher, 11 Bände Mausegeschichten, die, echt aussehend, dem Stand ein unheimliches Gepräge gegeben hätte, wenn nicht von einer  netten Dame bewacht.

Was für ein reiches Land! Was für eine lebendige Kultur!  Welche gute Stimmung in dieser Weihnachtszeit! Maria Theresia, die über die kaufenden und sich amüsierten Landeskinder unter ihr wachte und die doch immer die Zeit fanden, das Buchquartier zu besuchen, und damit dem aus dem fernen rauen Brandenburg angereisten Besucher und Mitaussteller zeigten:  Ja, wir interessieren uns für Bücher, wir freuen uns über eine Messe in einem der schönsten Häuser hier im Museumsplatz, wir laden die Menschen ein, sich mit Büchern und allen möglichen und unmöglichen Themen zu beschäftigen und sehen sie nicht nur als Kaufvieh. So wurde den meisten Kleinverlagen  in Berlin und Umgebung entweder der Geraus gemacht oder sie wurden  zur Auflösung getrieben.

Die Zeiten für den Messebesuch in  Wien waren großzügig, der Eintritt kostenlos, jeder konnte kommen, gucken, lesen und den vielen vielen Lesungen zuhören. Man konnte wirklich sagen, tu felix Austria, lese. Es ist die beste Medizin gegen Winterblues, Bildungsferne, urbanem Ekel und Angst vor einer ungewissen Zukunft. Aber es ist auch das beste Mittel gegen Großmannssucht. Wenn die großen Player meinen, sei es digital oder  analog, sei es als Datenbankanbieter oder Großverlag die Welt nach ihrem Gusto zu bestimmen, so werden die Kleinen und Unabhängigen auf die Basis ihrer Kreativität verweisen. Wer will eine Welt, die aus Amazon, Google und Kaufland besteht, die meisten Menschen nicht und drängen sich so  in  den  engen Gassen Wiens, in denen Künstler ihre Produkte und Messen, in denen Verleger ihre merkwürdigen Geschichten anbieten.

Wer will nicht in der hell erleuchteten Stadt sich von der fröhlichen Masse, dem Licht und dem Schmuck  inspirieren lassen? Fahren Sie nach Wien, es war dort wirklich wunderschön, auf dieser Buchmesse im Buchquartier auf dem Museumsplatz.

Lesen ist Menschenrecht

titelte der Berliner Tagesspiegel das Ergebnis der IGLU Studie mit dem erschütternden Ergebnis der Lesekompetenz der 4.-Klässler. Das bedeutet, dass die Bundesrepublik im Vergleich mit anderen Staaten weiter zurückgefallen ist. Besonders gravierend die Zahlen aus Finnland, ein Staat dessen landesweit hohe IT-Kompetenz, wiederum ähnlich dem Nachbarstaat Estland, Deutschland weit voraus ist. Dies ist für ein Land, das ohne natürliche Ressourcen, angewiesen auf die Klugheit und Kompetenz seiner Bevölkerung, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, keine gute Voraussetzung für eine positive zukünftige  Entwicklung.

Eigentlich weiß man das alles. Immer wieder wurde das, wenn auch mehr das funktionale Analphabetentum seiner Schüler und Studenten öffentlich beklagt, aber dabei blieb es. Die Stiftung Lesen mit ihren Aktivitäten, Lesepaten und Öffentliches Vorlesen verhalf dem Lesen zu einem neuen positiven Image, weil heute allen, auch dem Staat klar sein muss, dass ohne Lesen auch die selbstständige Internetnutzung nicht möglich ist.

Mangelnde Lesekompetenz ist nichts Neues, besonders in Staaten mit einer sogenannten bildungsfernen Schicht. Dies führte nun vor über 50 Jahren zu einer großen Kampagne in den USA, an der sich alle beteiligten – Politiker, Universitäten, Schauspieler und Bibliotheken mit großem Erfolg. Australien nimmt Emigranten erst im Lande auf, wenn diese eine Mindestkompetenz in Sprache und Lesen  aufweisen. Und Europa: Noch in den siebziger Jahren hatten Eltern zu der Kinderbibliothek am Centre Pompidou in Paris  keinen Zutritt: Kinder sollten dort repressionsfrei lesen können. Das Ergebnis dieser  Bibliotheksarbeit bewies, dass Lesen der Kinder ein Kommunikationsvorgang ist, d.h. das kleine Kind erwirbt die Grundlagen des Lesens auf dem Schoss seiner Mutter/oder Vater oder Großmutter (dies besonders in Russland)  beim Ansehen einer Bilderbuches. Diese Kinderbücherei wurde geschlossen. Worunter unterscheiden sich die aufgeführten Beispiele von Deutschland?

Alle diese aufgeführten Länder entwickelten Kampagnen und Aktivitäten mit ihren Bibliotheken. Sie werden jetzt in dem großem Medienweit ausgestrahlten Klagelied nicht einmal erwähnt. Man war so mit dem Abwickeln beschäftigt, das man übersah, dass Bibliotheken doch vielleicht ganz nützlich seien (Rainer Strzolka: Der Kulturzerstörer). Es gibt Lese- und Schreibwerkstätten (Renate Zimmermann: Feuerwerk der Fantasie), ja es gab sogar eine phantasievolle Beteiligung an der IGA 2017 in Berlin (Oasen der Großstadt), es gibt Bücher, die durch Erzählen zum Lesen verführen (S. Brandt: Erzählen und Entdecken) und es gibt sogar eine Kriminalgeschichte, die Kinder zur Benutzung einer Bibliothek anregt, (Walther Umstätter: Die Jagd nach dem Buchstätter Bibliotheksmarder),Kinder sollen zum Zuhören verführt werden (Susanne Brandt: Lauschen und Lesen ).

Bei der Vorstellung seine Buches Ich Deutsch in der Schwarzkopf Gesellschaft in Berlin in der letzten Woche und einer Diskussion über eine Leitkultur bezweifelte einer der  Besucher, ein Schüler, die Bedeutung der Sprache für eine kulturelle Integration und Teilhabe. Saleh widersprach und wies auf die Erfahrungen seines Vaters, ein Bäcker, hin, dem damit eine Teilhabe am öffentlichen Leben, jenseits der Arbeit und der Familie verwehrt war.

Keine Teilhabe, keine kulturelle Integration, letztendlich keine Demokratie ohne Lesekompetenz. Es spricht nicht für das Gemeinwesen in Deutschland, das dieses Problem erst von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, wenn zukünftiger wirtschaftlicher Schaden droht.

Es ist Zeit nicht nur für punktuelle Projekte, sondern für eine alle Bevölkerungsteile  umfassende Kampagne einschließlich heller und offener Bibliotheken – herunter von dem Schließstandpunkt – sie sollten Anführer eines Kampagne sein – für das Lesen!