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Kultur und Sprache- Heimat und Fremde

Warum hat man nicht Ethnologen und Historiker in die Diskussion um die Flüchtlingsströme einbezogen, die Deutschland, ja Europa in Unruhe versetzen? Scharen von Flüchtlingen, die eine neue Heimat suchen, sind wirklich nicht neu: Das wunderschöne Venedig wurde von ihnen aufgebaut, die nach dem Niedergang Ostroms nach Westen geflohen waren.  Venedig selber vertrieb mit der Steuerpolitik die im Ghetto lebenden Juden zum Schaden für die Republik, denn das Druckgewerbe in den Niederlanden, heute noch beherrschend durch große Verlagshäuser hat dort ihnen Ursprung. Und Preußen! – auch dieser arme Staat mit seinen Sandböden wurde durch Flüchtlinge aufgebaut:  Holländer errichteten Deiche und  die Frage, ob die in den 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Berlin sich etablierende Mode, ihren Ursprung beiden Hugenotten hatte, kann nicht eindeutig beantwortet werden… Und die USA – ein Land, das von Flüchtlingen aufgebaut wurde, Menschen, die vor Armut und Willkür des alten Kontinents flohen. Wir wollen hier nicht noch mehr Beispiele aufführen und  sondern verweisen auf den Lesezirkel, der am Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven  stattfinden wird:

Einwanderung und Integration – Was bedeutet das?

Aufruf zu einem Lesezirkel am Deutschen Schiffahrtsmuseum / Leibniz-Institut für Deutsche Schiffahrtsgeschichte

Die gegenwärtig  einseitige Diskussion um Integration und Migration soll in einen historischen und theoretischen Kontext auf der Grundlage historischer und politischer Forschungsansätze gestellt werden. Diese sollen zur Diskussion um folgende Fragen führen:

  1. Gibt es verschiedene Formen der Integration?
  2. Was ermutigt Integration?
  3. Sind die Termini Multikulturalismus, Pluralismus, Assimilation, und Integration kompatibel?
  4. Welche praktisch anwendbaren Erkenntnisse können wir aus wissenschaftlichen Ansätzen gewinnen, die diese Phänomene theoretisch und historisch erforschen?
  5. Das Ziel dieses Lesezirkels liegt nicht in der unmittelbaren Beschäftigung mit der gegenwärtigen Flüchtlingskrise, sondern in einem Blick in die Zukunft. Wie werden die Menschen in 10 oder 50-100 Jahren darüber denken und wie wird ein ethnisch und religiös buntes Deutschland aussehen?

Der Lesezirkel richtet sich an alle, die es hilfreich finden, historische Reflexion mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu verbinden und insbesondere auch an diejenigen, die beruflich in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig sind (Schule, Museum, Volkshochschule).

Wo? Das Deutsche Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven / Leibniz-Institut für deutsche Schiffahrtsgeschichte, Hans-Scharoun-Platz 1, 27568 Bremerhaven, freut sich, Gastgeber dieses ersten Workshops zu sein.

 Wann? Das erste Treffen soll am 5.November 2016 von 10.00 bis 15.00 Uhr stattfinden.

 Anmeldung: Bitte melden Sie sich bis zum 15. Oktober bei Dr. Christina Ziegler- McPherson an (chris@maczieg.com).

 Sprache: Deutsch. Die Texte, die als Diskussionsgrundlage dienen, werden Ihnen nach Anmeldung zur Verfügung gestellt.

 

Der Besuch der Veranstaltung ist kostenlos. Reisekosten können nicht erstattet werden. Eine Bescheinigung über den Besuch des Seminars  kann ausgestellt werden

Die gegenwärtige Diskussion, die sich von Unterkünften und Bettenzahlen jetzt den Kosten für die Flüchtlinge und deren Integration zugewandt hat, mag an den kulturellen Problemen und besonders der Sprachentwicklung in einer zunehmend komplizierter werdenden Umwelt nicht nur  vorbeigehen, sondern schaden. Es war nicht von ungefähr, dass der preußische König ein großzügiges Hilfsprogramm für die Hugenotten und auch für die protestantischen Flüchtlinge aus Salzburg  startete und damit ihre den Preußen oft überlegene Wirtschaftskraft nutzte. Australien macht die Beherrschung der englischen  Sprache zur Voraussetzung, um das Land zu betreten und die American Library Associationhat seinerzeit in einem großen Leseprogramm ihren  Beitrag zum Erlernen und der Beherrschung der englischen Sprache beigetragen.

 In seinem autobiographische Anti-Heimat-Roman weist Willi Bredemeier die Fehler einer Politik nach, die die kreativen Kräfte nicht unterstützt hat und versucht, mit Geld alte Strukturen aufrecht zu erhalten. Joseph Kazickas Wege der Hoffnung zeigt den sagenhaften Aufstieg eines Flüchtlings in die USA, der zum Unterstützer der Freiheit in seinem Heimatland  Litauen wurde und Briefe aus einer Schweren Zeit (Rosmarie Grabitz) zeigen den Überlebenswillen einer Familie von der Flucht aus dem Baltikum bis nach Hamburg- dies alles Dokumente eines kreativen, großartigen Willen, durch Sprache und Kultur die Fremde zur Heimat werden zu lassen.

Man sollte endlich beginnen, sich jenseits von  Vielfalt und humanistischem Philosophieren den Grundgedanken zuzuwenden, wie man diese Integration der hier eingewanderten Menschen bewältigen will – und dafür sind Vergleiche nicht nützlich, aber kreative Ideen und ein Programm, das sich auf die Vermittlung von Sprache und Kultur konzentriert und alle vorhandenen Kräfte und Möglichkeiten nützt – und warum nicht die Bibliotheken?

Teamwork gegen Mobbing

Als vor ca. zwei Jahren R. Strzolka das Buch Teamunfähig? Die Dekonstruktion des Teamgedankens auf der Buchmesse in Leipzig vorstellte, kam auch eine Zuhörerin auf ihn mit den Worten zu „Meinten Sie unseren Betrieb?“, – so gut trafen  ihre Erfahrungen auf die Beispiele seines  Buches  zu.

Der SPD in Nordrhein-Westfalen laufen die Wähler in immer größeren Scharen davon, seitdem es öffentlich geworden ist, dass ausgerechnet eine für Mobbing bekannte Vertreterin der SPD mit Angaben in ihrem C.C.V gemogelt hat. Dieses mag aber nicht der einzige Grund sein, kulturelle Entwicklungen sind meist von langer Dauer und diese sichtbar zu machen, ist das Verdienst des Anti-Heimat Roman von Dr. Willi Bredemeier Bildungsreisen durch ein unbekanntes Land. Offizielle Stellen, besonders in Berlin lehnten ein Angebot einer Lesung ab. Nicht so die Menschen der Region. Das Team G. und W. Bredemeier brachten mit Hilfe von Buchhandlungen und kulturellen Institutionen das Buch zu den Menschen, wie uns Frau Schulte-Gimmerthal von Café Cheese vermittelte. Wir möchten daher Ihren Bericht hier weitergeben :

Gelungene Lesung heute im Cafe Cheese. Wir lernten Dr. Bredemeier und seinen hochinteressanen, wie auch spannenden autobiographischen Roman kennen. „Ein Anti-Heimat-Roman – Bildungsreisen durch ein unbekanntes Land 1943 – 2014″, in dem er „Sieben Jahrzehnte Bildungsrevolution“ beschreibt.

Willi Bredemeier hat ein sehr abwechslungsreiches und vielschichtiges Leben geführt und vielerlei Berufe als Schriftsetzer, Versicherungskaufmann, Lokaljournalist, Sportberichterstatter, 68er-Student, Hochschulforscher, Technologietransferagent, Stadtverwaltungsbeamter, PR-Berater, Zeitschriftenmacher und Marktforscher geführt.Geschrieben hat er in seinem Leben schon viel. Er war Redakteur bei verschiedenen Lokalzeitungen, Autor und Verleger. Jetzt hat er seinen ersten Roman über die Erfahrungen, die er selbst im Leben gesammelt hat geschrieben..

 Auf  über 500 Seiten und 14 Kapiteln erzählt er die gesamte Entwicklung seiner Heimatregion, dem Ruhrgebiet.  Als Dortmunder Junge (Somborn) wuchs er auf in einer Arbeitersiedlung und bekam die Zeit der Zechen mit.

Früher gab es noch viele Bauernhöfe, auch der eigene Großvater war Bauer. Dann folgte die Zeit der Arbeiter  in der Industrieregion. Sein Vater war einer und er selbst eine Zeit lang. Der Wandel des Ruhrgebiets von der Bergbau- und Industrieregion zur Informations- und Bildungsgesellschaft wurde von ihm regelrecht erlebt. So liefert er detaillierte Einblicke von der Nachkriegszeit über den Strukturwandel und Studierendenrevolte bis ins Jahr 2014.70 bewegende Jahre einer Region.

Irgendwann  zog die Bildung ins Ruhrgebiet ein.  Willi Bredemeier ergriff seine Chance, holte sein Abitur nach und begann sein Studium an der RUB.Es waren wilde Jahre. So erzählt er über Demonstrationen als Student der 68er-Generation, die auch nicht in Bochum haltmachten. Doch dann war für ihn eine Karriere im Wissenschaftsbetrieb erstrebenswerter und so kam er schnell wieder zu seiner Leidenschaft zurück, dem Studium und dem Lesen.

Er studierte Sozialwissenschaften an der  noch ganz jungen Ruhr-Universität Bochum (1968-1972) und promovierte in Volkswirtschaftspolitik. In mehreren Forschungsprojekten wandte er sich anschließend Themen wie der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit, der Innovationspolitik und den Möglichkeiten zu, Universitäten und regionales Umfeld miteinander zu verzahnen. Als Geschäftsführer des bislang größten Modellversuches der Republik oblag es ihm, die Forschungspotenziale der Ruhrgebietshochschulen für Probleme des Ruhrgebiets zu bündeln.

Doch dann verlies er die Uni, machte sich 1984 selbstständig und war in den folgenden Jahrzehnten in den Bereichen Zeitschriftenkonzeption und -redaktion, Marktforschung und Öffentlichkeitsarbeit tätig. So gab er zwei Ruhrgebietszeitschriften heraus. Seine Zeitschrift „Password“ zu kommerziellen Informationsdiensten im Internet betreibt er mittlerweile im dreißigsten Jahr. Langjährige Großprojekte in der Marktforschung waren die Begleitung der Branche Elektronische Informationsdienste im Auftrag der Europäischen Kommission und die Begleitung der ITK-Wirtschaft (Telekommunikation, Informations- und Kommunikationstechnik, Digitalisierung der Anwenderbranchen) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft.

Darüber hinaus hat Dr.Bredemeier mehr als zwanzig Sachbücher teilweise gemeinsam mit Partnern geschrieben, darunter zur Integration ausländischer Arbeitnehmer im Ruhrgebiet, zur Informationsqualität und zu den Zukunftschancen wissenschaftlicher Bibliotheken.

 Im Jahre 2000 gewann er den Short-Story-Wettbewerb der Stiftung „Kreatives Alter“ (Zürich). Das ermunterte ihn zu seinem größeren belletristischen Werk. Er begann seinen Roman  zu schreiben und beschreibt, wie im Ruhrgebiet „keinen Stein auf dem anderen blieb“ -„Früher war das Ruhrgebiet eine bildungsferne Region. Heute ist nicht alles besser, aber es ist gut, wie es gelaufen ist“, lautet sein Fazit. Erstklassig begleitete Eddi Gronecki den Abend musikalisch mit seiner Gitarre. Er spielt passende Lieder von Hannes Wader, Degenhardt und Pit Seeger (Turn, turn, turn).

Das Publikum war beeindruckt, fühlte sich gänzlich gut unterhalten und war begeistert. Ohne sein Buch gekauft zu haben verließ kaum jemand das Cafe Cheese.

www.gimmerthal-online.de

 

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Being trouthful, not neutral – sei ehrlich und nicht neutral

Man könnte R. David Lankes beneiden. Mit seinen Titeln, wie auch dem der  geplanten Veröffentlichung Expect more Erwarten Sie mehr (im Simon Verlag-bw) trifft er immer ins Schwarze. Die Kolumne des College of Information & Communications News der University of South Carolina, of Library and Information Science, dessen Direktor RD Lankes  geworden ist,  stellt die Diversity auf  einer breitere Basis als bei uns (siehe Dewitz, „Diversität als Basis der Informationsgerechtigkeit„). Diversität ist bei ihm bestimmt durch die unmittelbare  Verbindung von Rechtswirksamkeit und gesellschaftlichen Verantwortung.

Der Epidemie des Argwohns (von Thomas Assheuer in DIE ZEIT Nr. 32, vom 28. Juli 2016) setzt Professor Lankes Bibliothekare und Journalisten und   die beste Informationsinfrastruktur entgegen als ein Gegengewicht gegen das Drohbild einer apopkalyptischen Gewalt.

Eine gute Universität ist wie eine gute Bibliothek, ein sicherer Platz, um sich mit gefährlichen Ideen auseinander zu setzen, ist Lankes Credo.  In den Instituten und Klassen müssen Wissenschaftler, der Lehrkörper und Studenten permanent lernen,  die Mitte  zwischen  gründlicher wissenschaftlicher Arbeit und dem Fanfarenruf nach Aktionen zu finden.

We feel offended, ursprünglich als Instrument des Minderheitenschutzesgedacht, wird immer mehr zu einem politischen Kampfbegriff, dem nur mit einer ehrlichen, an wissenschaftlichen Kriterien  orientierten Behandlung des Themas begegnet werden kann… Hier trifft sich der Rektor der Universität Duisburg Essen Ulrich Radkte mit David Lankes (in Forschung und Lehre 6/16). Auch er stellt die Forderung auf, dass die Hochschule ein Ort offener Diskussion bleiben muss. Lankes geht weiter, in dem er Hochschulen  Bibliothekaren und Journalisten die Aufgabe zuweist, auf der Basis der besseren Information sich nicht zu scheuen, die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie nicht politisch korrekt ist, eben nicht neutral. Er sagt, gute Bibliothekare, gute Journalisten, gute Informationsspezialisten sind nie neutral, sie haben ihre Prinzipien und gute Universitäten und gute Information, helfen  ihnen, diese auszubilden.-Der Feind kommt nun auch von innen … diesem Urteil stellt  Lankes seinen unbeirrbaren Glauben an die Kraft der Bildung entgegen, die Kraft der Urteilsbildung, die von guten Bibliothekaren und auch von guten  Journalisten abhängig ist.

Er fährt weiter in seinem Beitrag fort, wir brauchen den Lehrkörper, die Mitarbeiter der Universität und die Studenten, aber auch die Alumni und die Praktiker,  um an unserer Überzeugung und an unserer Wahrheit teilzuhaben.  Er fordert zu einem gemeinsamen Gespräch, zur gemeinsamen Arbeit auf. Er plant Alumni und Praktiker gemeinsam einzuladen und schließt mit dem Aufruf, warten Sie nicht, bis Sie gefragt werden, finden Sie uns, im College, auf der Webseite oder in den Sozialen Medien.

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ISBN 978 -3-940862-75-4

Mit  dem Fazit des Universitätsdirektors  In Duisburg-Essen,  Herrn Ulrich Radtke Conditio sine qua non … Hochschule ein Ort offener Diskussion bleiben muss – stellt man sich nicht diesem Diskus wird der status quo zementiert,  trifft sich David Lankes und geht doch darüber hinaus, indem er die ganze commmunity zum Gespräche auffordert. Meinungsfreiheit ist  kein Schönwetterprogramm und kann erst recht nicht nach  ideologischen Prädispositionen verhandelt werden. Nein, sagt Lankes sei wahrhaftig und nicht neutral das ist nicht einfach und nicht mit billigen Slogans zu haben, sondern mit Lernen, Aufklärung und Bildung. Deshalb sind Bibliotheken so wichtig und  gut ausgebildete  und informierte Bibliothekare wie Journalisten. Dafür kämpft D.Lankes. Bibliothekare in Deutschland sollten es ihm gleichtun – der Kulturzerstörer darf nicht die einzig Antwort bleiben. Er ist ein ganz gefährlicher Genosse, in einer Zeit, die mehr denn je unsere mutige Stimme erfordert.

Unserer Politiker – Wahlkampf in Berlin – wo bleibt die Zukunft?

Sie sollten Schaden vom deutschen Volk abhalten, so schwören sie, wenn sie mit bestimmten Posten betreut werden, und das tun sie, indem  sie mehr Polizisten und ein besseres Verkehrsnetz fördern wollen.

Aber  wird ein derart jämmerlicher Wahlkampf, der  den Berlinern zugemutet wird, ohne Schaden bleiben? Spandau und Berlin zusammen (wie den sonst, Spandau wird sich doch von Berlin nicht abspalten),  Sicherheit für Berlin, Berlin bleibt schlau (zweifelhaft bei diesem Wahlkampf) und dazu jede Menge Männer, dicke und dünne, leider wenig hübsche, ältere und jüngere. Wenn diese Porträts zum Besuch eines Einkaufszentrums einladen würden, würde man nicht hingehen – und dies angesichts der Situationen dieser Stadt, die Phantasie, Kreativität und Einfühlung erfordern.

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ISBN 978-3-945610-33-6

Kulturelle Strukturen von langer Dauer erschweren auch das Einleben Fremder in Berlin, aber ist der Weg zum besseren Verständnis: eine Kulturzerstörung wie sie Rainer Strzolka beschreibt? Die Kommune soll ein stärkeres Gewicht erhalten, – Teilhabe – nachbarschaftliche Projekte, wie sie Christiane Müller vorstellt, lokale Netzwerke gegen eine tötende Zentralisierung in den Bibliotheken. Wir langweiligen uns schrecklich und müssen permanent bespaßt werden, dabei hat die  Bibliothek um die Ecke Geschichten, Bibliotheken – „Houses of Stories“,wenn sie nicht abgewickelt oder zwangszentralisiert wurde.  Wir werden zu Tode verwaltet, was uns viele Stunden Lebenszeit kostet, und fühlen uns doch  immer mehr ausgeschlossen. Dabei hat schon vor einigen Jahren ein junger Bibliothekar Ingo Caesar  gute und billige Vorschläge zur Digitalisierung der Verwaltung gemacht, man hat nicht einmal angefangen, solche durchzuführen. Sie sind uns fremd, jene Flüchtlinge aus den arabischen Ländern, ihr Aussehen, auch ihre Musik. Dabei sind große Künstler unter ihnen, wir kennen sie leider nicht, hören Sie die Lieder von Dahab Khalil und lassen sich erzählen, wie ein Musiker in arabischen Ländern lebt und singt, auch unter feindlichen Lebensbedingungen, die seine Musik verbieten wollen.

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ISBN 978-3-940862-34-1

Ja, die Musik. Sie hat ihren höchsten Stellenwert als Unterhaltung und doch ist ihre Funktion als Stiften von Kreativität wichtiger. Es ist nicht nur der Tanz und das gemeinsame Lied, das Menschen zusammen gehalten hat. Es ist die Musik, die Idee einfordert.  Ideen für Stücke, Instrumente und Künstler, die Musik spielen. Wer  Musik nur zur Unterhaltung zum Träumen degradiert, verkennt sie als Kreativitätstifter, als Motor zum Neuen, zum Denken und Fühlen jenseits des Gewohnten,  Schon das kleine heitere Er ist ganz Ohr zeigt uns diese  Wege der Musik.

Wenn unsere politische Führung ein derart abschreckendes Bild ergibt, was wir auch noch „freiwillig“ wählen sollen, dann ist eine Revolution fällig, eine Umkehr zu mehr Ideen, mehr Kreativität, mehr Einfühlung in die Bedürfnisse ihrer Menschen. Sonst verfallen wir alle in einen Tiefschlaf nur zukunftsträchtig ist das nicht.

Wer ist Nepomuk Ullmann?

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© Strzolka

Ein Kreuzberger Dichterfürst, der Herr in Schwarz mit Hut, Die Seele der Kreuzberger Literaturwerkstatt, Die Institution des Berliner Büchertisches , ein Herr der Wörter?

Kennen Sie Nepomuk Ullmann? – fragte mich ein Praktikant, der nach seiner Zeit beim Berliner Büchertisch weitere Verlagserfahrungen  erwerben wollte. Nein, wir kannten ihn nicht und ließen uns gerne dazu überreden, die allmonatliche Lesung des Berliner Büchertisches am Mehringdamm zu besuchen.

An den Träumen ankern die Sterne, am Rand der Zeit… Ullmann las Gedichte und man dachte, was ist denn das? Ein Dichter, kein Philosoph, kein Weltverbesserer, kein Essayist, kein Schriftsteller, ein Dichter, dessen Worte ins Herz, in die Seele und meinetwegen auch in den Verstand gingen.

So keimte die Idee, ob man nicht eine Biographie über ihn machen könnte und man verabredete sich, um sich sein Leben erzählen zu lassen. Kein schönes Leben, voller Brüche, unbehütet und unbehaust, aber aufschreiben? – Nepomuk Ullmann war nicht interessiert. Seine Seele liegt nicht in dem Wahrheitsgehalt seines Lebens,  sie liegt in seinen Gedichten.

So vergaßen wir Nepomuk Ullmann, bis einer unserer Komponisten, bei der Vorbereitung eines weiteren Liedbandes für unsere Reihe Hören und Lernen uns fragte: Kennen Sie Nepomuk Ullman? Ich habe hier ein kleines Büchlein in der Alten Feuerwache, Berlin- Mitte erworben. „Die Asche brennt auf meiner Brust“, ohne Jahreszahl, herausgegeben vom Büchertisch mit wunderschönen Gedichten. Ich würde gerne ein Gedicht vertonen.

Und so begann eine Suche, die ich in diesen Zeiten nicht für möglich gehalten hätte. Keine ISBN führte uns zu einem Verlag. Kein Wikipedia-Eintrag  führte uns in die Nähe, keine Adresse. Aber wir fanden den Berliner Büchertisch und darin den Namen Nepomuk Ullmann und die Kreuzberger Literaturwerkstatt, dessen Seele Nepomuk Ullmann weiter ist, mit Weisheit und seinem aufblitzendem Humor, seinen  Dichter- Nachfolgern zu ihren Päsentationen verhelfend. Dazu der Büchertisch als Ort! Kein verrauchtes ode versifftes Lokal für einen Poetry Slam, nein – Bücher, Bücher die einen umgeben und man ist glücklich. Die Nachricht von Nepomuk Ullmann, das hier in der Mehringstrasse bald Schluss ist, verwandelt dieses Glück in Hass und Wut: Warum,  warum gibt es keinen Ort für dieses Glück?

Für seine Zeigenossen, für seine Leser und Zuhörer sind seine Gedichte Begegnungen mit der Menschlichkeit. Zerschlissen von der administrativen Sprache, die uns täglich nicht nur begleitet sondern überfäll und auch den Dichter Kollegen an disesem Abend so manchen traurigen Streich spielte, waren seine Gedichte, wie eine schöne Strasse, die unter Schutt und Asche droht,  verloren zu gehen. Reich ist Ullmann nie gewesen und wird es auch nicht werden, aber jene Gier der Künstlerkollegen nach Gagen und Aufmerksamkeit scheint ihm fremd zu sein. Man hat den Eindruck, ein großes traumverlorenes,  aber doch realistisches Kind geht hier unbeirrbar seinen Weg, den er er für uns mit seinen Gedichten pflastert. Ein  Dichter, ein Poet – es gibt ihn noch. Wenn in  der Zeitschrift der GEMA 2/2016 mit Recht die Frage verneint wird, kann Musik die Gesellschaft verändern, erinnert  dies an längst vergangene Zeiten der gesellschaftlichen Veränderungswünsche durch Diktatoren. Nein, die Gesellschaft kann weder durch Musik noch durch Poesie verändert werden, aber das einzelne Herz, die Seele einzelner Menschen und das bedeutet weniger Hass und weniger Wut sondern Humanitas und Schönheit.

Aus: im Herzen: eisblumen schlummern /im schneel/ bis sie uns/im Herzen schmelzen. Oder Träume: träume ungezählt/ in den stunden der nacht/ich in Ihnen/dir hinerher rasend/mich schmerzt/die einsamkeit.

Trotz Partygeschrei, trotz des sich ausbreitenden Tourismus, trotz Verlust von Heimat und Sprache im Öffentlichen  Raum – es gibt ihn noch den Dichter – wir glauben, den größten lebenden Dichter, den Berlin zur Zeit hat. Inmitten dieses trubeligen, immer unsicher werdenden Berlins, inmitten von Chaos und schleichendem Verlustes an Lebensqualität ein Dichter!  Es ist unglaublich!