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Bibliotheks- und Informationswissenschaft: Neunzig Jahre IBU an der Humboldt Universität zu Berlin

Hervorragend: Die E-Mail-Einladung zur Feier des 90-jährigen Bestehens der IBU im Jakob-Grimm-Zentrum nahm sich eher bescheiden aus zwischen allen Glanzpapier- Einladungen, die nach einem heißen Sommer in den kleinen Fachverlag in Berlin flatterten.

Aber doch, welch gute Feier, die einen voller Freude auf die 100-jährige blicken lässt Informativ, unterhaltsam bis in die Vergangenheit belehrend, abwechslungsreich, lustig und nachdenklich: großartig geplant und gestaltet.

Der Ritt durch die Vergangenheit zeigte, welche bewegte Zeiten auch dieses vergleichsweise kleine Institut erlebt hatte. Mit Recht wurde, unterstützt durch ein

ansprechendes Video aus diesen Tagen, der Kampf der Studenten um den Erhalt ihres Institutes dem Publikum vor Augen geführt. Es war in seinem Humor, seiner Entschlossenheit und seinem Konzept beispielhaft, besonders für eine Disziplin, deren Vertreter sich lieber bedeckt halten. Er war erfolgreich und sollte nicht nur deshalb Ansporn sein für die – nicht immer einfache – Zukunft. Er zeigte deutlich, dass ein Kampf um eine Sache, für die sich alle per se einsetzen, erfolgreich sein kann und die Studenten wollten (!) ihr Institut erhalten. Voller Trauer vergleicht man diesen Kampf mit dem um die Abwicklung des Deutschen Bibliotheksinstituts (Helga Schwarz: Das Deutsche Bibliotheksinstitut im Spannungsfeld zwischen Auftrag und politischem Interesse) und zwar nicht nur von den Beteiligten in ihren unendlichen Sitzungen, die insgeheim einen von starker Überzeugung getragenen Willen vermissen lassen. Dieser Kampf des Institutes bewies, wie Klugheit, Überzeugung und auch Witz eine Auseinandersetzung zum Erfolg führen könnten. Die damalige Universitätsleitung ließ sich überzeugen, die damalige Politik des ehemaligen DBIs nicht und was gäbe man heute darum, wenn in der unseligen, mit- unter von keiner Sachkenntnis getragenen Debatte um die Digitalisierung, es einen Corpus gäbe, der Sachkenntnis bündele und anregt, um der Politik zielführende Vorgaben zu machen, die man in diesem Land vermisst.

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ISBN 978-3-945610-37-4

Man ließ die Vergangenheit des Institutes, die gleichzeitig auch eine Geschichte der Berufsstandes ist und die internationalen Verbindungen auch dieser Anfänge demonstriert, Revue passieren, ungeachtet aller Bitterkeit, die mit der Um-Organisation und Abwicklung des Institutes an der FU verbunden war. Unbestritten war der Vorteil für den Beruf. Jahrzehntelang gab es keine akademische Ausbildung und Abschluss für den Beruf im Westteil dieser Republik. Wollte am  einen für eine Leiterstelle notwendigen Abschluss erreichen, musste man eine Dissertation in Theologie, Geschichte u.a. aufweisen. Fachverbundene Forschung gab es auf dieser Ebene nicht.

Deshalb überflügelten die angelsächsischen  Länder, alles vorandie USA auch die Bundesrepublik bei weitem. Einen Vergleich mit dieser Zeit und die  berufspolitische Bedeutung, die das Fach damit gewann, zeigt die Autobiographie von Tax Choldin: Der Garten der zerbrochenen Statuen, die Ausbildung und zunehmende  Professionalität des Berufes in den USA nachweist.

Daher war die akademische Struktur des IBU modern, wenn auch die fachliche Ausrichtung und damit die Ausbildung gefesselt waren. Wie prägend solche Ausbildung und Inhalte sein können, zeigten die Gespräche während dieses Festes mit Greguletz und Wawra, die beide auf die Bedeutung der Aufenthalte in den USA hinwiesen. Das IBU war ein modernes Institut, leider politisch gefesselt, wie die Abschlussarbeiten zeigten, die hier auf dieser Veranstaltung  zitiert wurden. Es war daher notwendig, diese Verknüpfungen des Berufsstandes in der sich neu formierenden DDR mit der Vergangenheit des Berufes zu durchleuchten, wie es jetzt mit einer Publikation geschehen soll, die wir hoffen auf der Buchmesse in Leipzig vorzustellen. Besuchen Sie uns dort!

Zurück zu hervorragend: einen deutlicheren Beweis für die Reformwilligkeit des Berufsstandes vermittelte der Auftritt der Frauen auf dieser Veranstaltung: sicher, charmant, wissend, humorvoll – es ist nicht mehr übrig von jenem Bild der Hemdesusen, die ein Journalist Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts von den Bibliothekarinnen zeichnete und das auf einer Tagung in Kroatien vor einigen Jahren noch von der damaligen IFLA Präsidentin Frau Dr. Lux nach gezeichnet wurde.  LIBREAS diese Zeitschrift. Ein leuchtendes Beispiel einer gelungenen Kooperation auch zwischen männlichen und weiblichen Kollegen

Mit dieser Aussicht ist einem um die weitere positive Entwicklung des Berufsstandes nicht mehr bange, auf dass wir unseren Kunden, Lesern, o.ä,  mit D. Lankes zurufen können, Verlangen Sie mehr. Die Bibliothekare sind dazu bereit!

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Digitale Parallelwelten

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Photo by Franck V. on Unsplash

Die Buchmesse in Frankfurt am Main und unsere Lebenswelt.

Aufbruch – Künstliche Intelligenz, Was sie bedeutet und wie sie unser Leben verändert schreibt die Google Zeitschrift vom 16.10.2018 und zeigt an Sprachen übersetzen, leichter einen Partner finden, Musik individuell zusammenstellen, Bilder sortieren Anwendungen im heutigen Alltag. Steilvorlagen für die Informationsvermittlung, jener jetzt schon ins 4. Jahr gehende  Veranstaltung  die immer mehr Besucher der Buchmesse in Frankfurt /Main anzieht, gibt sich bescheidener: Turning Information Complexity into Simplicity.  Neue Chancen und Geschäftsmodelle für Information Professionals – nannten sich die Berichte über die Integration der KI in den betrieblichen Informationsdienst. Hellsichtig hatten die Organisatoren die Herausforderungen an die Führungskräfte in der neuen von der KI bestimmten Infrastruktur durch Professor Landwehr als Keynote Speaker definieren lassen. Als Mathematiker und Psychologe verkörperte er fast idealtypisch die Anforderungen,  die auf die Führung aber auch auf  jeden einzelnen zukommen.

Are we data rich and insights poor fragt man sich ängstlich angesichts des Paradoxon der Wertschätzung, deren 4 Formen der  Vortragende auf 4 im Erwerbsleben vorkommende Typen verteilte, wobei die fixierte Unzufriedenheit der Lehrer dem Zuhörer besonders nahe ging, denn schlimmer noch als  bei der resignativen Zufriedenheit haben Lehrer durch die fixierte Unzufriedenheit aufgegeben, etwas zu ändern und damit sich selber. Das ist nicht nur tieftraurig sondern gefährlich, denn wie soll sich eine Gesellschaft entwickeln, die ihre Kinder und Jugend von solchen Lehrern unterrichten lässt?

Immer wieder wird eine Zukunft beschrieben, die von intelligenten Maschinen, und dies ist die künstliche Intelligenz, beherrscht wird. Aber es sieht zur Zeit so aus, als ob die beiden Welten nebeneinander unvereinbar existieren, was die Rückfahrt aus Frankfurt einer Messebesucherin unter Beweis stellte. Die Rückfahrt sollte über Bremen führen, deren Züge zweimal ausfielen. Wie wir heute wissen, brannte der ICE Köln Frankfurt aus. Warum wusste man das nicht in Frankfurt, dazu braucht man keine IK sondern ein schlichtes Telefon. So erfuhr die Reisende, dass zu dieser späten Stunden keine Möglichkeit in der Bundesrepublik bestand, ihr einen Transport nach Bremen zu verschaffen. Hotelzimmer in Frankfurt waren ausgebucht, denn es fand ja die Buchmesse statt.

Als jene Reisende mit einer großen Familie 1949  aus der ehemaligen DDR  floh und man sie damals kreuz und quer durch die Bundesrepublik schickte, kannte  ein ähnliches Gefühl. Auf der Flucht!!! —Die weitere Reise gestaltete sich weniger dramatisch aber doch fragt man sich, warum noch Platzkarten von der Bundesbahn  verkauft werden,  wenn man sie nie einsetzen kann. Abzocke? Wie sie überall – auch gerade mit künstlicher Intelligenz – üblich wird. Und was machen die alten Leute, die  nicht mehr auf dem Boden vor der Tür sitzen wollen. Zu Hause bleiben?

Die Anwendung neuer Methoden bei der Strukturierung von Daten, der Umgang mit der Flut von chinesischen Patenten, die neue Stellung der Versicherungsbranche nach Jahren der Ungewissheit, alles bot Einblicke in eine neue Welt der Informationen, nicht nur im Beruf sondern auch im Tagesgeschäft.

Das von dem Key Note Speaker angesprochene Paradoxon der Wertschätzung, deren Negativorientierung in Deutschland vorherrscht und leider die Null Fehler Pflicht als Form der Wertschätzung beherrscht, kann ein sehr schlechtes Erbe sein in einer Welt, die eigentlich mit den neuen Werkzeugen das Ausprobieren propagiert. Schon wird diese  Negativorientierung im kommunalen Leben  viel zu oft eingesetzt, weil mit dem Nachweis von Fehlern Beamte und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst ihre Nützlichkeit, ja Unentbehrlichkeit beweisen wollen – in einer unsicheren Zeit, die jeden Arbeitsplatz obsolet machen kann. Der Mensch, der Kunde wie er so obszön heißt,  spielt dabei keine Rollen. Dieses inhumane Klima zeichnet eine Lebenswelt, die einer Welt der IK nicht dienlich ist – oder besser  ihr konträr entgegengesetzt ist.

Miteinander hieß jene Demonstration, die am Wochenende unzählige Menschen angezogen hat. Die vollen Straßen waren nicht nur dem guten Wetter geschuldet sondern dem Gefühl, übergangen, abgehängt zu sein.

Es ist kein gutes Gefühl! Keine künstliche Intelligenz hilft uns bei der Überwindung oder doch?

Berlin ist nicht zum Wohnen da – Ferne Welten verbunden in Berlin

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(c) Slava Nikolaev

Berlin ist in den Jahren der Hypes zu einer Stadt im Jugendwahn geworden…  Aber es gibt Zeiten im Leben, in denen man sich fragt, wie es in der Feierabendmetropole um die Lebensqualität steht… Berliner Tristesse rechtfertigt in jedem Städteranking Platzierungen zwischen Lagos und Ulan Bator schreibt der Journalist Werner von Berber im Tagesspiegel vom 29. September dieses  Jahres.

Wie merkwürdig, diese von den Touristen so geliebte Stadt keine Lebensqualität für die Einwohner? Touristen kommen ja zum Glück nur selten mit einer dysfunktionalen Kommune in Kontakt und haben so keinen Zugang zu einem tristen Alltag. Sie sehen nicht oder doch die tausendfach angebotenen Speisen unter den Bahnbögen, die Freiluftsitze für alle bieten, die gerne auch als Zuschauer am flanierenden Stadtleben teilhaben und doch fast nie mit der internationalen Küche in Kontakt kommen, wenn Bratwurst oder Leberkäse das gastronomische Angebot beherrschen.

Nein, Berlin hat in seiner Mitte, in der Friedrichsstraße weder Orte zum Schlemmen noch Orte, die mit Chic überzeugen, nein, wohnen möchte man hier nicht, denn das hieße dieses Berlin zu einem Bleibeort zu machen. Aber Berlin ein Ort, der ferne Welten verbindet?

Was verbindet mehr als Kunst und was ist urbaner, globaler und alle Welten verbindender als Kunst? Manches mag ja mehr Dekoration sein als Kunstwerk und doch ist Kunst die Brücke, die alle verbinden kann, weil sie schafft Brücken des Verständnisses und der Humanität.

So tritt man voller Hoffnung und Freude (ja Freude!) in das Art Center Berlin in der Georgenstr 44 /Ecke Hegelplatz (www.art-center-berlin.de) ein und fühlt sich verbunden mit der Kunst und den hier ausstellenden Künstlern, nicht nur verbunden, sondern angekommen und angenommen. Wir kennen Slava Nikolaev nicht – wir können mit ihm auch nicht sprechen, da wir weder Ukrainisch noch Russisch kennen, aber wir teilen seine Lebensfreude mit dem kleinen fröhlichen Mädchen, das in den Himmel schaukelt. Wir können uns nicht trennen von seinem Weltgemälde, das wie in der magischen Welt eines Kindes immer neue Dimensionen öffnet und neue Geschichten erzählt. Wer möchte solch ein Gemälde nicht um sich haben, das dem täglichen Blick immer neue Antworten gibt und Zeit zum Schauen von uns fordert, eine Zeit und eine Fähigkeit, die uns allen App- und Handynutzern verloren geht und die doch so wichtig ist in dieser Zeit. Wir brauchen Brücken zwischen Welten, Ländern, Kulturen,  Menschen. Und Berlin hat die Bausteine, die Menschen: Russlandsdeutsche in Charlottenburg, eine polnische Community, die sich am 23. 9 zum Ideensammeln im Tagungswerk Jerusalemkirche versammelte, das Max Brand Ensemble aus Wien, das im Rahmen des Festivals Oaarwurm  in der Brotfabrik Weißensee Neue Musik spielte und und… Für alle gilt, sie kommen und sie vertreten ferne Welten und sind doch in und mit Berlin verbunden, weil sie jene Brücke bauen, die Menschen verbindet, mit der bildenden Kunst und mit der Musik. Der Kern aller Humanitas: das Verständnis für das Leben und damit auch das Leben des anderen. Ich verließ das Art Center Berlin nach der Vernissage mit den Bildern des Slava Nikolaev freudig und voller Wertgefühl, als hätte ich  lange mit einem guten Freund gesprochen und wir hätten uns glänzend verstanden. Dies sind seltene Augenblicke, das wissen wir alle und doch machen die uns reicher, freudiger und fröhlicher. Gehen Sie und sehen die Bilder von Slava Nikolaev. Es wird Ihnen hoffentlich so gut gehen wie mir nach diesem  Besuch.

ES

Polen – Ein Rechtsstaat?

Die EU bezweifelt das zumindest und hat die polnische Regierung aufgefordert, die umstrittene Pensionierung polnischer Richter rückgängig zu machen. Ein Richter hat deutlich gemacht, dass er nicht nach juristischen Grundsätzen handeln will, sondern nach dem Willen des Volkes erzählte und ein Teilnehmer des Bürgerdialogs zur Zukunft Europas mit der polnischen Community in Berlin, ein  World–Café und nachfolgender öffentlicher Diskussion an diesem verregneten Sonntag, zu der die Bundesszentrale für politische Bildung am 23.9. eingeladen hatte.  Es wusste wohl keiner, wie nahe man am Zeitgeschehen war und daher waren wohl die Themen nicht so überraschend, zu denen jetzt Projektideen entwickelt werden sollten: Zuwanderung nach Europa, wirtschaftliche Sicherheit, soziale Ungleichheit und Rechtssicherheit. In drei kleinen Runden unter dem Vorsitz gut informierter Experten wurden diese Fragen behandelt  und mögliche Projektideen, die zu Lösungen führen könnten, diskutiert.

Gleiche Löhne in Europa und gleiche Produktqualität forderte der Tisch, der  die Einkommensungleichheit in den verschiedenen Ländern diskutierte und mittlerweile auch Deutschland erreicht hat, da nur 10% aller Einwohner 66% des gesamten Vermögens besitzen. Deutsches Waschpulver ist immer noch eine gute Werbung, wie eine polnische Teilnehmerin erzählte. Von einer  Forderung nach Bildung, die in  fast allen Forderungen und Projektevorschlägen auf der Tagesordnung stand, sind die Länder davon weit entfernt, wie auch bei den Wünschen nach einem Grundgehalt / Grundrente und Mindestlohn ersichtlich wurde.

Das Thema Zuwanderung, Polen nach Deutschland ist von dem Verhältnis zwischen erster und neuer Generation belastet, wobei Emigration nach Deutschland ein langes Erbe hat, was letztendlich auch das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen überschattete. Die Sichtweise des schon 1894 erschienenen Romans von N. von Eschstruth Polnisch Blut zeigt das in seinem Vorwort von 2015 deutlich, die Ressentiments bestehen noch immer. Wie aber hier ersichtlich wurde, ist die Frage nach der Identität, die auch in dem angeführten Roman eine Rolle spielt, für viele Polen immer noch ungeklärt, was in einem Europa mit sich auflösenden nationalen Strukturen problematisch ist. Vielleicht wird die jetzt einsetzende Einwanderung Deutscher nach Polen die Brisanz dieses Themas auflösen.umschlag_polnisch_blut_frontcover

Wie die Nachricht der EU Anklage über mangelnde Rechtstaatlichkeit in Polen ist Rechtstaatlichkeit ein Kernthema aller europäischen Beziehungen. Politische Bildung als Grundforderung für eine geübte Rechtstaatlichkeit kann in Polen nicht umgesetzt werden, weil der Staat selber diese nicht umsetzt. Es bedarf daher der direkten Unterstützung der Zivilgesellschaft oder anderer von der staatlichen Seite abgesetzten Kanäle. Diese Überlegungen  waren auch die Basis der Öffentlichen Diskussion an diesem Sonntag. Aber er traf auch auf andere Gebiete zu und lief auf ein Defizit der Kommunikation der Europäischen Kommission und Aktivitäten mit ihren Bürgern  zu. Diese Kommunikation läuft zunehmend über den Staat und die offizielle Regierung, so dass die Unzufriedenheit der Bürger und beklagte Bürgerferne ihrer Politiker zunehmend auch die Europäische Union trifft und es ist zu befürchten  noch mehr treffen wird. Ein wirklich schlagendes Beispiel dafür  bot der Oberbürgermeister der Stadt Berlin  in der Sendung der ARD hart aber fair, als er behauptete, die Menschen hier in Berlin hätten nichts gegen Asylanten o.ä, er hätte nur einmal durch die Straße nicht in einem Problemkiez sondern in  Wilmersdorf gehen müssen und mit den Menschen reden, er  wäre zu einem anderen Eindruck gekommen.

Alle Teilnehmer dieses Bürgerdialogs waren sich einig, dass hier neue Wege für den Aufbau und die direkte  Unterstützung der Zivilgesellschaft gefunden werden müssen, jenseits der Regierung. Ob dies über die Kommunen geschehen kann, wäre zu klären. Auch die Möglichkeit persönlicher Antragstellung sollte erwogen werden, denn nur wenn der direkte  Dialog der Bürger mit der EU, in welcher Form auch immer, auf keine Schranken stößt, wird sich der Bürger für die EU und die kommende Wahl interessieren.  Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass  dafür auch eine einfache Antragstellung eine Grundvoraussetzung ist.  Diese Diskussion wie auch die Erfahrung zeigt, dass nur in einer konkreten Zusammenarbeit Hoffnung für einen Fortbestand der EU liegt.

Ein Ort für Menschen nicht für Bücher

…Ist die Überschrift des Deutschlandsfunks mit einer Beschreibung der Aarhus Bibliothek Dänemark von Heinz-Jörg Graf. Wenn auch die Überschrift nicht ganz korrekt ist, es gibt wohl Bücher, aber sie ist eben in erster Linie für Menschen konzipiert und weder als Lager noch als schöner Ort für Bücher, die man staunend in Frankreich, Italien, Deutschland aber auch in Tschechien besichtigen kann.

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Photo by Emre Gencer on Unsplash

Es sieht so aus, als ob die Politiker die Bibliotheken entdecken wie von der Next Library Conference 2018 (die internationale Zukunftskonferenz) in Berlin berichtet wurde. Ein Zeichen dafür: endlich fanden Bibliotheken ihren Wege in die Medien, das Bibliotheksfest am Sonnabend, den 15.9 wurde in den Stationen der U- und S-Bahn in Berlin mit einem Plakat und in Deutschlandradio mit einem Interview mit Frau Lison bekannt gemacht.

Dieses Interview drehte sich um Abwicklung und Schließung von Bibliotheken in Deutschland, um sinkende Mittel und um die Drohungen der kommenden Digitalisierung, die das Lesen angeblich überflüssig machen. Dem setzt das Berliner Bibliotheksfestival als Festival der Öffentlichen Bibliotheken ein anderes Bild entgegen. Wie erfreulich! Ein Start für das bundeweite Programm hochdrei – Stadtbibliotheken verändern, mit dem die Kulturstiftung des Bundes Stadt- und Gemeindebibliotheken auf ihren Weg zu Dritten Orten unterstützen will. Und doch sind Frau Lisons Antworten im Interview leider eine Basis, die man nicht vergessen darf. Sie beklagt fehlende Bibliotheksgesetze, die den Unterhalt einer Bibliothek zur Pflichtaufgabe der Kommunen machen würden. Leider sind die Erfahrungen – auch international – nicht so gut, als dass ein solches Gesetz einen guten Service garantiert hätte. Auch in der ehemaligen DDR gab es Bibliotheksgesetze und den Willen des Staates, Bibliotheken zu einer wichtigen Erziehungsinstitution zu machen.

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Hybride Bibliotheken ISBN 978-3-940862-35-8

Hans Peter Müller geht in seiner geplanten Publikation SED Bibliothekspolitik… diesem Gedankengut nach, das eigentlich nach dem Abschied von diesen Erziehungsgedanken und der Entdeckung der öffentlichen Bibliothek als Institution der Demokratie über Bord geworfen wurde. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die öffentlichen Bibliotheken von den US-Amerikanern als Vehikel der Demokratisierung entdeckt, so ist die Zentralbibliothek, die ehemalige AGB und auch die Internationale Jugendbibliothek in München entstanden und es ist nicht von ungefähr, dass David Lankes mit „Erwarten Sie mehr“ wieder neue Impulse auch für Deutschland gibt. Seine Ideen des Maker Spaces, seine Ideen des Campus Alexandria Bibliothek, die Bibliothek als Ort auf ähnliche Gedanken zielen auf die Neue Öffentliche Bibliothek als Ort der Kommune, jenseits von Informationsvermittlung und Bestandsaufbau.

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ISBN 978-3-945610-33-6

Eine Bibliothek kann ein Ort in der digitalen Medienwelt sein, die einen analogen Anker
setzt, ein Ort, in dem man sich aufhalten will und kann, ein Ort voller Geschichten und Menschen (Anger:  „Bibliotheken Houses of Stories“) ein Ort mit Büchern („Guten Tag, haben Sie Bücher?“) aber auch mit Hilfen für die moderneInformationslandchaft (Schaefer-Rolffs: „Hybride Bibliotheken“), heute vielleicht noch notwendiger wie früher zum Umgang mit Fake News (Hauff-Hartig: „Fehl-, Falsch- und Desinformation“) ….und für einen neuen Umgang mit den Ressourcen der Bibliothek Christine Müller: „Bücher leihen, Ideen teilen, Bibliotheken in der Sharing Economy“.

Was braucht man dafür: Neue Bibliothekare, die ohne Knüppel der Hierarchie ihre Arbeit lieben und Politiker, die wissen, dass eine verlorene Community ohne Mittelpunkt ihre Menschen verzweifeln lässt. Sie sollten die Neue Bibliothek entdecken!