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Das Ende der Gemeinsamkeit? Chancen und Risiken der Flexibilität in der Europäischen Union

Zu diesem Thema hatte die Stiftung Genshagen eingeladen, dafür Referenten des Weimarer Dreiecks gewonnen und damit die polnische, französische und deutsche Sicht  zu diesem neuen Begriff der Europäischen Gemeinschaft der Flexibilität… In altbekannter und wohl auch bewährter Weise näherte man sich diesem Begriff, von einer flexiblen Union zur flexiblen Solidarität. Die politischen Begriffe der Flexibilität und ihre Unterschiede zeigten, welch kulturellen Unterschieden in den betreffenden Ländern immer noch die politische Diskussion bestimmen. Dabei wird weiterhin ein Gleichgewicht zwischen Mitgliedsstaaten bei allen Rechten und Regeln angestrebt. Die Flexibilität besteht bei zusätzlichen Rechten und Pflichten, die zwischen den Staaten nicht immer gleich sind. Man wäre also, so der französische Vertreter, vereint in der Unterschiedlichkeit. Die Ambivalenz dieses Begriffes wurde so schließlich offen angesprochen und auf Defizite in der europäischen Kultur im Vergleich zu der gemeinsamen hingewiesen. Es würde zu wenig in Bildung und Ausbildung investiert und damit auch letztendlich die Bildung regionaler Gemeinschaften gefördert,  die von Anfang an die Ausdifferenzierung der EU begleitet hatte.

Auch wenn die Referenten auf die Vorteile der EU hinwiesen, die ihnen z.B. erlaubten, an einem Tag von Brüssel nach Genshagen zu kommen, kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie keine Kenntnis von der Reaktion der gemeinen Bürger haben, die angesichts dieser Analyse doch an dem Wert einer solchen EU zweifeln. Man muss diesen Zweifel auch auf dem Hintergrund der Berichterstattung betrachten, dass das EU Parlament zwar für eine Aussetzung der Gespräche mit der Türkei gestimmt hat, aber diese Abstimmung ohne jede Relevanz ist. Die EU hat ein Legimitationsproblem und dass dies auf  Dauer der Gemeinschaft  bis zu der Gefahr der Auflösung sehr schaden kann, weiß man. Die Zeit ist vorbei, in der das sogenannte Wahlvolk sich mit der Bemerkung zum Europa-Abschied von Schulz abspeisen lässt: Schlecht für Europa, gut für Deutschland.  Nicht nur der Wahlsieg Trumps stellt Legitimationsfragen neu, auch die neuesten Veröffentlichung wie von Willi Bredemeier Die überlegene Alternative zum Sex und andere Kurzgeschichten, die  die alles umschlingende  Bürokratisierung im Wissenschaftsbetrieb geißelt, ebenso das

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ISBN 978-3-940862-75-4

Buch von D. Lankes: Erwarten Sie mehr, das die Community in ihrer Bedeutung  für die Menschen neu definiert, oder von Rainer Strzolkas Der Kulturzerstörer, der eine private Karriere eines Kulturpolitikers  gegen das Allgemeinwohl stellt, lassen ahnen, dass Menschen sich zunehmend von Strukturen abwenden, an deren Einsatz und Legimitation sie keinen Anteil haben.

Es war ein großer Verdienst der Stiftung Genshagen, dass sie mit einem Empfang den Boden für eine lebhafte und sehr kontroverse Diskussion bereitet hatte,  so lebhaft, dass man den nach Berlin bringenden Bus fast versäumte. Eine gute Veranstaltung – gerade auch gut für kommende politische Debatten.

 

Buch Berlin 2016

berlinbuch-4-photoSie hatte einige Vorgänger, die Buchmesse in Berlin, aber so recht gedeihen wollte sie lange nicht. Es kann ja sein, dass erst eine liebe- und phantasievolle Kinderbuchverlegerin mit der notwendigen Geduld kommen musste, um die Idee einer Buchausstellung  einer Buchmesse in Berlin zum Blühen zu bringen. Aber es ist ihr gelungen,  die 3. Buch Berlin-Messe am 19.und 20. November  2016 war ein voller Erfolg.

Eine ausgezeichnete Organisation gekrönt von einem schönen, informativen Messeführer gab den vielen, kleinen selbständigen Verlagen die Gelegenheit zur Präsentation, was angesichts der Preise der Buchmesse in Frankfurt/Main und zunehmend  auch in Leipzig außerhalb ihrer Möglichkeiten liegt,  gerade auch angesichts des immer härter werdenden Geschäfts.

Desto mehr freute man sich über das bunte Treiben auf der Messe und den vielen  Angeboten, die Vielfalt und Freude widerspiegelten. Mit dem Klarinettisten G. Wettin und seiner Musik aus den Miszellen I von Art-Oliver Simon konnten wir die Besucher beim Beginn der Messe begrüßen. Unserer Eindruck, dass die Musik nicht gehört wurde, stimmte nicht, denn der Besuch am Stand wurde mit ….also Sie sind der Verlag mit der Musik eingeleitet und diente so zum Austausch über neue Musik und ihre schwierige Rezeption und ihre doch so wichtige Aufgabe bei Schulung und Geburt von Phantasie und Kreativität.

Das Hotel Estrelle bot einen guten auch geräumigen Rahmen auch für die Tische und die dazugehörigen (bequemen, dafür war man sehr dankbar) Stühle. Warum unser Stand, Nr. 155 zwischen den Verlagen mit Informationen zum Islam und angesichts von zwei Erotik Verlagen … früher hätte man diese wohl eher zum Porno zugerechnet –  gelandet war, entzieht sich unser Kenntnis, gab aber Gelegenheit zu manchen Überlegungen. Unser Nachbar, ein freundlicher Islamwissenschaftler ließ  keine Gelegenheit zum Gespräch verstreichen, es war  bewundernswert mit welcher Mühe und Ausdauer dieser ältere Herr das Gespräch suchte  und fand. Der Islamerverlag hinter uns wurde von einer großen Gruppe 5-7 jungen Männern  betreut, die fünfmal am  Tage in ein  recht stilles  Gebet versanken. Der Stand war wie eine Insel, Kommunikation fand so gut wie gar nicht statt und rein ökonomisch war es wohl auch kein Erfolg, denn anscheinend haben sie kein einziges Buch verkauft.  Ganz im Gegenteil zu den oben erwähnten Erotik-Verlagen, die umlagert waren und an denen gelacht und gescherzt wurde.

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ISBN 978-3-945610-34-3

Diese kurze Beschreibung zeigt die Vielfalt der Ausstellung, die den Besuch so interessant und lohnend machte. Das fanden wohl auch die Menschen, die BerlinBuch besuchten und  die eine große Hoffnung für eine Fortsetzung der Messe geben. Es wäre gut, wenn Berlin damit eine  Buchmesse bekäme, die dieser Stadt entspräche.

Leider war von einer Unterstützung der Deutschen Bahn nichts zu merken. Der zuständige S-Bahnhof Sonnenallee konnte nicht angefahren werden. Diese Störungen ist der leidgeprüfte Berliner gewöhnt, nur dass keine, wirklich Keine Information von Lautsprecher oder Bildschirm drangen, ist eigentliche für jedes Unternehmen tödlich. Vielleicht sollte man der Bahn‚ Anna Knoll Kompetenzen von Information Professionals in Unternehmen empfehlen. Das würde eventuell auch einem Unternehmen zum Überleben helfen, ohne die schützende Hand eines geduldigen Senats.

Deutsche und Russen – Christus kam nach Berlin

Ohne Gedenken keine Zukunft – 76 Jahre Deportation der Russlanddeutschen

Am 28. August jährte sich der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR über die Übersiedlung der Deutschen, die in den Wolga – Rayons wohnen zum  75. Mal. Es begann die massenhafte Deportation der Deutschen aus dem sogenannten Wolgagebiet in die Tiefen Sibiriens oder nach Kasachstan. Es waren nicht die einzigen Deportationen, alt eingesessene Petersburger Bürger gehörten dazu, Teile der Bevölkerung aus Litauen und Polen, auf Grund des Hitler-Stalin-Paktes auch die deutsche Bevölkerung aus den Baltischen Staaten. Es war eine Ost-  und Mitteleuropäische Umsiedlung, die  die Länder veränderte und viele Menschen ihrer Heimat und damit auch ihrer Identität beraubte. Joseph Kazickas Wege der Hoffnung und Rosmarie Grabitz Briefe aus einer Schweren Zeit sind Dokumente dieses Jahrhunderts der Fluchten und Umsiedlungen aber auch der neuen Heimat und erfolgreicher neuer Lebensläufe.

Wussten Sie, dass viele russisch stämmige Menschen in Berlin wohnen? Man merkt sie kaum, es sei denn an der Sprache und wenn das kleine Hotel an der Ecke seinen Besitzer wechselt oder die Fußpflegerin den schönen, in deutschen Ohren so melodisch klingenden Akzent spricht. Aber sonst, sie demonstrieren nicht, sie machen keine öffentlichen Verlautbarungen.

Und doch, es sind viele und sie alle, alle kamen, eingeladen zum Benefizkonzert im Admiralspalast an diesem 11.11. dem heiligen Tag, in dem die Jahre lang verschollene Oper des eigentlich nur als Pianist von Weltklasse bekannten Anton Rubinstein am Freitag aufgeführt wurde. Diese geistliche Oper könnte man mit einer Passion vergleichen, aber das würde ihrer Eigenständigkeit nicht gerecht werden. Beginnend mit einem Prolog Geburt von Christus und endend mit dem Epilog Auferstehung und Himmelfahrt wird in 5 Vorgängen das Drama des Lebens Christi vor den Augen der Zuhörer ausgebreitet. Und dieses in einer packenden und berührenden Vorführung. Die lebhafte Chorkapelle der Philharmonie Tjumen und das kleine (unermüdliche) Orchester der Camerata Sibiriens machte dieses Vorhaben lebendig, unterstützt von dem genialen Dirigenten Anton Scharojew, der die Oper wiederentdeckt hatte. Dieser nicht mehr junge Maestro, der im Sitzen dirigierte,  hauchte in jeder Phase der Aufführung der Oper sein Leben ein. Und die Hauptpersonen mit sparsamen Gesten und konzentrierten Ausdruck machten die  Rollen lebendig, von Judas bis Maria. Und dann Christus, wenn es nicht übertrieben klingen würde, würde man sagen, dieser Sänger war eine Offenbarung, ein großer, völlig reiner Tenor mit liebevollem warmen  Ausdruck und wenigen Gesten, die ans Herz gingen. Ein Auftritt ohne Partitur, alles auswendig in Deutsch und Russisch. Ein Wunder!

Das Publikum tobte vor Begeisterung. Da war man dankbar, dass man dieses musikalische Fest mit einem russischen Publikum erleben konnte. Es klatschte, tobte vor Begeisterung und verbreitete eine Stimmung, die diesem Fest angemessen war.

Man freute sich, man unterhielt sich und man hatte sich festlich gekleidet.

Diese Musik war ein Geschenk und weder die Schenkenden noch die Beschenkten werden vergessen,  dass dies wunderbare Stunden waren. Oft denkt man nicht daran, dass Musik ein Fest sein kann und eine schöne Kommunikation, vielleicht die beste, die wir Menschen haben, diese Oper war ein Fest der Kommunikation und daher ein unvergessliches versöhnliches Gedenken an die schlimme Zeit des Heimatverlustes und der Not.

Wir danken allen, und es mussten viele sein, die an der Realisierung dieser Oper mitgewirkt hatten  (wie der Sitznachbar, der erzählte, dass man sich seinen  Kontrabass ausgeliehen hatte) und allen Mitwirkenden, sie haben allen, aber auch allen Zuhörern eine große unvergessliche Freude bereitet.

Ist der Ausgang der Präsidentschaftswahl am 8.11. 2016 in den Vereinigten Staaten tragisch?

And so the moment we persuade a child, any child, to cross that threshold into a library. We have changed  their lives forever and for better.

Bildung ist die Basis für diese Möglichkeit (alles zu versuchen). Und das massivste Gebäude, das diese Basis zusammenhält, ist das Lesen. Am Anfang des 21. Jahrhunderts, in einer Welt, in der Wissen wirklich eine Macht ist, öffnet Lesekompetenz die Türen für die Möglichkeiten und für den Erfolg. Wir alle Eltern und Bibliothekare, als Erzieher und Bürger haben die Verantwortung in unsere Kinder die Liebe zum Lesen zu pflanzen, so dass wir Ihnen die Chancen geben, ihre Träume zu erfüllen. (Vorwort zu Ahlfänger: Jugend- Bildung- Bibliotheken Berlin 2009:9)….

Dieses hat kein Vorsitzender eines bibliothekarischen Verbandes bei einer Jahrestagung gesagt, sondern der jetzt scheidende Präsident der USA als Senator vor dem amerikanischen Bibliotheksverband im Juni 2005, also vor 11 Jahren. In bewegenden Worten weist er darauf hin, dass die Zeiten vorbei sind, in der Menschen mit niedrigem Bildungstand und mit harter Arbeit, fleißig, ihre Familien ernähren konnten und sozial  aufsteigen.  Immer wieder weist er in dieser Rede darauf hin, dass diese Zeiten vorbei und diese Welten vergangen sind. … Die Wahrheit liegt nicht immer bei denen, die am lautesten schreien, aber bei denjenigen, die die richtigen Informationen haben, ist ein der Kernsatz seiner Rede, wobei er damals noch nicht ahnt, dass die Wut der Wähler nicht nur auf dem mangelndem Zugriff auf Informationen  beruht, sondern auf  Misstrauen gegenüber der Presse und gegenüber öffentlichen Verlautbarungen und den Politikern.

Obamas Forderungen nach Lesekompetenz und Bildung lesen sich wie eine Vorausschau dieser Tage und machen ihn zu einer tragischen Figur. Seine Ideen und Ziele wurden durch die politischen Konstellationen verhindert.

Andere Länder und Zeiten waren nicht viel klüger. Man staunt nur über die Verschiebung / Verhinderung der Zentralbibliothek in Berlin. Ein solches Zeichen zu setzen, ist anscheinend weniger wichtig als eine Neuordnung der Radwege in diese Stadt. Aber man sehe sich die Entwicklung an, die sich seit Jahren andeutet, wie es  Rainer Strzolka in „Der Kulturzerstörer“ beschreibt  und man ahnt, dass  die jetzige politische Entwicklung  auch für Deutschland sehr ungute Folgen haben kann. Anstatt Kinder vor den PC zu setzen, was unbegleitet und in frühem Lebensalter sogar schädlich sein kann, sollte man ihnen eine Bibliothek spannend machen, so Walther Umstätter in „Die Jagd nach dem Buchstätter Bibliotheksmarder„, damit sie selbständig lernen und lesen können, denn Informationskompetenz bedeutet nicht nur,  Informationen zu  lesen, sondern sie auch bewerten zu können. Dies ist wichtiger als dass alle kleine Googles werden. Wie gebannt haben alle ins Silicon Valley gestarrt auf der Suche nach Machern der neuen Ökonomie, auch die Arbeitsministerin der Bundesrepublik. Wie schnell solch ökonomischer Fortschritt durch eine Verheerungen im Zusammenhalt der Menschen zu Nichte gemacht wird, ist jetzt auch in den Vereinigten Staaten zu besichtigen.  Es gibt nur eine Hoffnung, dass Obamas Voraussicht doch noch erkannt wird und danach sieht es aus. David Lankes in „Erwarten Sie mehr“ (erscheint demnächst bei Simon Verlag), weist den Bibliotheken  (und Bibliothekaren) eine, vielleicht sogar die wichtigste Rolle in der Community zu. Von da aus muss  die Community wieder aufgebaut, entwickelt und vor der Zerstörung bewahrt bleiben. Es geht um den Zusammenhalt, sagte der Vorsitzende der paritätischen  Verbände wiederholt wie eine Mantra in der Fernsehsendung  bei Plassberg. Lankes beschwört diesen und es ist der einzige Weg, damit nicht  Hass und Egoismus diese community beherrschen. Dieser hilft, Träume zu verwirklichen mit der Hilfe anderer, nicht sie zu hassen.

No Humboldt 21 – Gegenstimmen zum Humboldt Forum

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Projekt Humboldt Forum (Berlin) © Jean-Pierre Dalbéra

Das haben wir nun davon, dass eine Generation ohne Geschichtskenntnis und damit oft ohne Geschichtsbewusstsein heranwächst.  Raubkunst ist ein altes Phänomen und wurde schon im 30-jährigen Krieg flächendeckend ausgeführt, als die Schweden Bücher, die das historische Erbe anderer Länder  darstellten z.B. aus dem damaligen Böhmen, heute der tschechischen Republik entführt wurden  und  an die unseligen Kämpfe um Raubgüter, Bibliotheks- und Museumsbestände in Russland,  auch in den Vereinigten Staaten, erinnern wir uns alle. Diese Räubereien haben nichts mit Kolonialismus zu tun, sondern schlicht mit Raub und Eroberung. Heute herrscht darüber oft Schweigen, weil man mit der Digitalisierung und der Herstellung bester Kopien sich auf den Zugang solcher Schätze einigt und darauf kommt es ja doch an.

Die Forderung des decolonize Berlin wirkt wie aus der Zeit gefallen und leider auch feindlich.  Man muss daran erinnern, dass das Berliner Schloss und sein Neubau nicht den Gefallen aller gefunden hatte, er war manchen Berlinern einfach zu hässlich. Wenn man jetzt die Hohenzollern als grausame Kolonialherren hinstellt, mag das in mancher Hinsicht stimmen, aber man muss auch daran erinnern, dass Bismarck und damit dass Herrscherhaus der Hohenzollern nicht sehr begierig war, sich am Kolonialismus zu beteiligen, nicht aus Mitleid mit der Bevölkerung in diesen Ländern,  sondern weil man europäische Konflikte fürchtete und das hat sich ja bewahrheitet. Außerdem waren die sogenannten elbischen Juncker zu dieser Zeit nicht gerade begierig auf landwirtschaftliche Konkurrenz aus Afrika. Es will aber  auch keiner leugnen, dass gegen die Hereros u.a. grausam vorgegangen wurde, aber es sollte eben auch  nicht geleugnet werden, dass die Kirche und gerade die Mission in Wuppertal alles versucht hatte, diese einzudämmen. Johannes Spiecker, der im Auftrag der Rheinischen Mission versuche  immer wieder,  auch in Gesprächen mit den dort herrschenden deutschen Adligen, diese Kämpfe und die anschießenden schlimmen Haftbedingungen zu lindern. Er warnte schon damals vor den Folgen dieser Politik , die diese für Europa haben könnte und die ja heute zu sehen sind.

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Johannes Spiecker

Der Erforschung  außereuropäischer Kulturen setzt NoHumboldt 21 die Forderung nach der Rückführung eroberter Gegenstände entgegen, die den entsprechenden Ländern gehörten.  Es gehöre zu ihrem kulturellen Erbe. In diesem Zusammenhang mag auf das Phonogrammarchiv des Museums für Völkerkunde verwiesen werden. Hier wurde nicht nur immer wieder auf die prekäre Situation verwiesen, die die traditionelle Musik vieler Staaten gerade in Afrika aber auch z.B. Indonesien ausgesetzt ist, weil sie als mündliche Tradition verschwindet und die karge personelle Besetzung des Phonogrammarchiv  auch unter Verleugnung jeder privaten Wünsche nicht in der Lage wäre, noch mehr zu sammeln und zu archivieren. Einen kleinen Teil dieser Sammlung aus dem Sudan haben wir in Kisir und tanbura durch eine Publikation zugänglich gemacht. Bis zu diesem Zeitpunkt hat kein afrikanischer  Berliner diese Publikation angefordert. Auch in Nigeria wurde mit Hilfe des Auswärtigen Amtes an der Universität von Maiduguri ein Zentrum für die übereiche traditionelle Musik der Region gegründet. Glücklicherweise befinden sich Kopien dieser Musik in Berlin, denn man kann sich ausrechnen, wie das Zentrum in  dieser jetzt islamischen Universität aussieht. Wir wollen  auch auf Indonesien/Sumatra verweisen. Aus diesem Land wurde mit Ton und Bild mehrtägige Rituale aufgenommen und in Berlin mit Hilfe der indonesischen Botschaft vorgestellt dezidiert mit der Einladung zum Zugang zu dieser Musik und dem Erwerb von Kopien, ein kulturelles Erbe Indonesiens, das hier bewahrt wurde. Dieser Einladung ist soweit bekannt, eine Universität aus Indonesien  gefolgt.

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kisir und tanbura

Auf der Messe in Frankfurt/Main, die in der letzten Woche vorübergegangen ist, wurde auch ein Film über Indonesien gezeigt.  Er war scheußlich in seinen Farben ausgerechnet aus diesem Land. Er verschwieg, dass Indonesien ein Vielvölkerstaat ist und hinterließ den Eindruck, als ob Indonesien fest in der Hand der katholischen Kirche ist. Er war weder unterhaltend noch aufklärerisch.

No Humboldt 21 macht wieder deutlich, dass Feindbilder, ohne historische Hinterfragung nicht  der Aufklärung  und der Diskussion dienen, sondern man muss es so scharf sagen,  einem umgekehrten Nationalismus.

Selbstverständlich sind viele ethnographische Museen aus den Kabinetten von Fürsten und Adligen hervorgegangen. Aber diese wollten sehr oft ihr Volk und ihre Landsleute über die Länder, Mensch und Leute jenseits der Landesgrenze aufklären. Das wollten auch die Humboldts. Es ist ein Schlag ins Gesicht, den man eigentlich nur einer rechtsgerichteten Partei zugetraut hat, die Meinung,  dass diese Gegenstände zur Vermehrung des Besitzes  geraubt waren.  Noch schlimmer ist die Forderung, diese Gegenstände usw.  der Besichtigung zu entziehen,  bis diese Fragen (des Besitzes?) geklärt sind. Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Berliner, die in dieser schwierigen Stadt auf Kooperation, Aufklärung, Wissenserweiterung und Toleranz gesetzt haben.  Es ist kein Beitrag zum Verständnis  fremder Völker und schon gar keiner zum Aufbau einer urbanen  community.