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Bücher und Bibliotheken – Lesen und Wissen – für Aufklärung gegen Lügen

Berlins größter Buchhändler ist tot berichtet der Berliner Tagesspiegel am 10. Februar und erinnert an Kiepert, die größte Buchhandlung Westberlins  in den siebziger und achtziger Jahren und eine der ersten, die freien Zugang zu den Büchern gewährte, eine Stadt bekannte Einrichtung des alten Westberlins. Nach Expansion in den Jahren nach der Wende erfolgte 2002 die Insolvenz. Aber Kiepert stieg, 74 Jahre alt in den Versandbuchhandel seiner Tochter ein, bot einen Über-Nacht-Service und ist jetzt mitten im Handel mit Büchern  fröhlich singend und Gedichte zitierend, wie berichtet wurde, mitten in der Arbeit und im Leben mit 88 Jahren verstorben.

Der regionale Kongress Bibliotheken Berlin-Brandenburg widmet sich dem Thema des immer spärlichen Nachwuchses. Das durch den Neoliberalismus besonders stark getroffene  Bibliothekssystem mit seinem Bibliothekssterben, auf das R.Strzolka „Der Kulturzerstörer“ (2.Auflage) schon dezidiert hinwies, bietet jetzt dem Nachwuchs keine geeigneten Berufsaussichten. Dies zeigt auch Auswirkungen auf die jährlich stattfindenden Berufstage der Brücke, die versucht Kontakte (und Praktikumsplätze) zwischen den Ländern Ost- und Mitteleuropas und Berlin zu vermitteln. War anfänglich noch die Zahl sehr hoch, so ließ das Interesse im Laufe der Zeit nach, die Jugend lernte nur noch Englisch, das Interesse an Büchern und die Kenntnis der deutschen Sprache ist fast zum Erliegengekommen.

Als Warnung an meinen Enkel Robert A. Kleye veröffentlicht Werner A. Kleye 1990 Mein Traumberuf war es nicht. Erinnerungen eines Berliner Bibliothekars. Sein persönliches Resümee:   Der Bibliothekar Beruf hat Spaß gemacht, als ich es nur mit Büchern und Lesern zu tun hatte, er wurde stressig als es um Verwaltungs- und Personalangelegenheiten ging. Ist dies das Erbe, das auf  den Buchhandel durch ein auf Gewinn starr fixiertes Finanzamt und auf den Bibliotheken noch immer durch Regularien in der Entwicklung stark behinderten Entwicklung liegt?

Das Internet schien die Hoffnung auf einer durch Open Access gut informierten und gebildeten Bevölkerung zu erfüllen. Heute ist es  mit der  fast unglaublichen Aufforderung  konfrontiert, die Demokratie zu verteidigen. Wie denn? Mit einer ihre Basis verlierenden wissenschaftlichen Kommunikation mit dem Ende der Aufklärung (Spiegel Ausgabe 6/2017: 94) Lasst uns alle Feinde sein. Warum die Zahl der Wütenden und Empörten wächst – Anmerkungen zum emotionalen Klimawandel schreibt der Tagesspiegel  vom 12.2. in seiner Meinungsseite. Wo nur noch strategisches und opportunistisches Verhalten zählt, ist es aus mit dem sozialen Frieden.

Wir brauchen nicht Donald Trump mit seinen die Wissenschaft zerstörenden post faktischen Statements oder eine grassierende Bereitschaft sich aufhetzen zu lassen, die auf dem Defizit an Anerkennung und Inklusion weiter Bevölkerungsteile beruht, ein Klavier, auf  dem Trump so großartig spielt. Trump hasst Bücher, er hasst sogar den Staub von Büchern. Und er ist nicht allein. Nur ganz langsam und leise lassen auf den Berliner Filmfestpielen  im Februar dieses Jahres erfolgreiche Stars durchblicken, dass ihre beste Vorbereitung für den  Erfolg im Lesen und Büchern lag.

Wir stehen nicht nur vor  einem emotionalen Wandel wir stehen vor einer emotionalen und geistigen Verarmung. Es gibt Hoffnung und die auch durch die Arbeit einer Bibliothek, die sich nicht durch Schwierigkeiten beeindrucken ließ Oasen der Großstadt nennt sich der Band mit ausgewählten Beiträge eines Schreibwettbewerbs zur IGA 2017 in Berlin, eine Bibliothek als Oase, die die Sehnsucht der jungen Schreiber und Poeten nach Schönheit  und Erfahrung erfüllen kann. Bibliotheken erzählen Geschichten und die Geschichten ihrer Menschen liegen in der Bibliothek. Sie bietet nicht nur den Zugang zur Information, sie vermittelt Teilhabe (In: Franziska Anger „Houses of Stories„) Immer haben sich Menschen ihre Geschichten erzählt und tun dies heute noch. Es ist ein besseres Mittel gegen Einsamkeit und Verzweiflung als Alkohol.

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ISBN 978-3-9456-10-32 -9

„Erwarten Sie mehr“ sagt D. Lankes in seinem wunderbaren Buch über Bibliotheken  als Mittelpunkt einer Community, die in sich die Wünsche und Erwartungen einer Community, vereint und diese gleichsam zurückstrahlt. Was für eine Gegengewicht zu der klugen und sorgfältigen  Analyse, die Helga Schwarz  in ihrer Dissertation über das Deutsche Bibliotheksinstitut im Spannungsfeld  zwischen Auftrag und politischem Interesse aufstellte.

Welch ein Gegensatz zu Lankes, hier haben  Diskussionen über Procedere Regularien und politische Beweggründe aller Beteiligten  verhindert, dass das einzige deutsche Zentralinstitut jemals in seiner Um- und Fachwelt fest verankert war.

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Wir stehen als Europa, als Region und Gemeinschaft vor der ungeheuren  Aufgabe, die Demokratie als Prozess zu gestalten und das geht nicht ohne den sozialen Zusammenhalt untereinander. Wir können den nur mit Kommunikation in  unserer Community gestalten gegen  Hass und fake News. Wenn  etwas Hoffnung nährt, dann ist es der Aufstand der Community in den USA in den Städten, Gemeinden, Wissenschaftlern und sogar der Wirtschaft.

Aber wir brauchen Werkzeuge in diesem Prozess, Bücher und Bibliotheken

Wir brauchen gerade die Aufklärung, den Zusammenhalt und Kooperation jenseits von egoistischer Abschottung von Gruppen.

Ohne dies kann ein langer mühsamer Kampf für Demokratie und Gerechtigkeit nicht gelingen.

Ein Aufruf von D. Lankes unserem Autor, gegen die Trumps Verordnung über die Schließung der Grenzen für bestimmte Lander

This evening it has become clear that we all have reason to be concerned for those who are at the University, and frankly, in the country legally from abroad. Our classmates, our faculty, our alumni, our staff have seen families divided and immigrants turned away from our borders or held in our airports. Like many of…

über A Message for International Members of the SLIS Community — R. David Lankes

Ist es Zufall oder ein Fingerzeig?

Vergangenes und Zukunft in der Fachdebatte.

Mit einer nur kurzen Verzögerung erscheinen bei uns zwei Bücher:

David R.Lankes „Erwarten Sie mehr“. Verlangen Sie bessere Bibliotheken für eine komplexer gewordene Welt hrsg. von H-Chr. Hobohm und Helga Schwarz „Das Deutsche Bibliotheksinstitut. Im Spannungsfeld zwischen Auftrag und politischen Interessen“.

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ISBN 978-3-9456-10-32 -9

Es sind eigentlich keine Bücher für Bibliothekare sondern für diejenigen, die für Bibliotheken verantwortlich sind, also ihre Communities, wie Lankes das nennt, sei es eine Universität, eine Institution, ein Konzern oder eine Kommune. Mit Leidenschaft, praktischen Beispielen aus aller Welt und der tiefen Überzeugung, dass Bibliotheken Menschen mit dem ausstatten können, was sie für diese unsere neue Welt brauchen, ist das Buch eine mitreißende  Lektüre  auch für Bibliothekare und  für alle, die für Bibliotheken verantwortlich sind,  seien es Gremien oder Verwaltungen.

 Wenn man nun dagegen wissen will, warum alle politischen Schritte, seien von Regierungsstellen  des Landes, Bundes, oder Kommunal für die breite Digitalisierung der Öffentlichkeit heute ins  Leere laufen müssen, d

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ISBN 978-3-9456-10-37-4

er nehme sich die akribisch erarbeitete Analyse von Helga Schwarz vor.

Bildung und Demokratie sind die Schlagworte  in der Werbung politischer Parteien, wobei man sich heute nicht des Eindrucks erwehren kann, dass Sicherheit als neues Schlagwort zur geheimen Freude  vieler politischen Mitspieler diese Schlagworte  verdrängen, dabei müssten sie die Grundlage sein für alle Sicherheit. Es ist erschütternd zu lesen, wie von Beginn der Gründung des Deutschen Bibliotheksinstituts  schon mit dem Gründungsakt und der Maßgabe, dass das Personal nicht an der Programmierung  der Arbeit zu beteiligen sei, die Ziele dieses Instituts nicht nur dem nicht entsprechen,  was Lankes für die Ziele der Arbeit von  Bibliotheken hält,  sondern dem entgegensetzt sind. Eitelkeiten auf fachlicher wie politischer Ebene  behinderten eigentlich von Anfang  ebenso  eine positive Entwicklung, die dann in einer beispielloser Leugnung von Verantwortlichkeiten  endete.

Nun ist das Vergangenheit im Gegensatz zu dem Buch von Lankes, das alle Geldgeber wie Bibliothekare  faktisch in die Zukunft treibt. Aber es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit und ohne, dass einem diese bewusst ist. Lankes gibt dafür zwei  schlagende  Beispiele, die Rettung der Bibliothek von Alexandria durch die Einwohner beim Aufstand in Ägypten durch die Liebe der Einwohner zu ihrer Bibliothek und die Beschlagnahmung aller Papiere  von einlaufenden Schiffen, zur Kopie und Sicherung des Wissens in der antiken Welt, die Frage  nach Zugang und Sicherung des Wissen beherrscht heute noch alle Diskussionen von  OA bis zur Digitalisierung.Gleichermaßen nur von einem anderen Ende ist die Lehre vom  Scheitern des Deutschen Bibliotheksinstituts gleich oder ähnlich: nur eine feste und unerschütterliche Ausrichtung der Bibliotheken auf ihre Ziele Bildung und Demokratie  wird den Weg zur berechtigten Forderung  aller  weisen: Erwarten Sie mehr! Erwarten Sie für ihre Community die beste Einrichtung für eine immer komplexer werdende Welt.  Diese Aufgabe kann beflügeln und antreiben- auch den bibliothekarischen Nachwuchs.

Kommen Sie am 11. März zum 6. Tag der Bibliotheken in Berlin und Brandenburg auf dem Zentralcampus der BTU Cottbus Senftenberg.  Sehen Sie sich die Bücher an und Hören Herrn Prof.Hobohm  bei seiner Vorstellung des Buches von Lankes.

Zwischen Totschlag und Mord – Schutzmauern aus Beton und Video – hilft das?

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Copyight:L Jacob Bøtter

Nein – wir brauchen Aufklärung! Im Herbst diesen Jahres veranstalteten zwei junge Männer ein Autorennen auf der Berliner Geschäftsstraße Tauentzien und nahmen so billigend in Kauf, dass es zu einem Unfall kam: ein Toter!  Totschlag, Mord oder nur eine Ordnungswidrigkeit?  In November wurde eine Frau in den Rücken getreten und fiel die U-Bahn Treppe hinunter. Glücklicherweise brach sie sich nur den Arm, die begleitende Gruppe sah amüsiert zu. Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit 12 Toten und 14 Schwerverletzten machte die Gegenwart radikaler IS-Kämpfer auch in Berlin deutlich. Am Heiligen Abend setzten 6 syrische Jugendliche und ein Libanese einen Obdachlosen in Brand, nicht nur, um einen Menschen zu töten, sondern ihre Verachtung gegenüber einer Religion zu demonstrieren, die ihre Gnade von einem in Not und Armut geborenen Kind empfängt. Diese Gnade hat auch den  europäischen Humanismus geprägt,  der letztendlich zu Aufnahme von Migranten und Flüchtlingen führte? Holen wir die eigenen Mörder ins Land?

Fakenews – Nachrichten, die durch das Netz wandern und Hass und Verwirrung stiften. Sie sind eine Gefahr für die Demokratie, sie töten Vertrauen und verbreiten Hass, Neid und  Misstrauen. Sie gefährden den freien Zugang zu den Informationen, der Hefe jeder Demokratie.

Wir wissen, dass gegen Gefährdung des Friedens und Unmenschlichkeiten kein Beton, keine Mauer und letztendlich auch keine Videoüberwachung helfen. Ist es eine Mauer und ein Zaun zwischen denen und uns? Der immer höher wird. Auch die viel beschworenen Werte, Unterricht in Kultur und Belehrung über die Sitten eines Landes helfen nicht viel. Wir alle wissen, welche Spuren Frontalunterricht bei unseren Kindern hinterlässt. Keine tiefen!

Wir müssen uns auf das altmodische Wort „Aufklärung“ besinnen. Diese hatte einst Untertanen aus ihrer Unmündigkeit zu Bürgern werden lassen und die  ersten Stufen zur Demokratie geschaffen – Und welcher Mittel kann sich die Aufklärung bedienen, um ihr Ideal aufgeklärte, selbstbestimmt lernende Bürger zu erreichen, der Bibliotheken:  Auf der Höhe des Absolutismus baute Mazarin eine Bibliothek für die Bürger. Warum brachte Jefferson nicht nur viele Bücher, sondern auch eine Systematik aus Frankreich nach Washington  mit, damit sich die ersten Bürger der USA, die Abgeordneten selberbilden konnten. Warum wurde in Großbritannien eine Steuer eingeführt zur Bildung von Bibliotheken. Die Untertanen sollten vom Wirtshaus weg zu Facharbeitern und damit zu Bürgern werden, die nicht durch den Suff Unglück über ihre Familien bringen, sondern mit Sachverstand diesen Staat zum Wohlstand verhalfen.  Und in Deutschland?

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ISBN 978-3-940862-13-6

Schon 1914 sah Paul Ladewig, gerade auch beim Aufbau von Werksbibliotheken ihre Aufgabe als Dienstleistungsbetrieb für die Öffentlichkeit. Die Parteiphrase schweigt, sobald der Mittelpunkt  der Bücherei von der Unterhaltung auf die Unterrichtung gelegt wird.  (Paul Ladewig, Berlin 2011). Eine klare Aufforderung zur Aufklärung, heute noch nötiger denn je, sie immunisiert gegen Falschmeldungen. Bibliotheken sind voller Geschichten, nicht  nur ihrer Communities sondern auch von Neubürgern, sie können zur Begegnungsstätte von Kulturen werden. (Fransziska Anger: Bibliotheken Houses of Stories) Bibliotheken bilden (Karsten Schuldt: Bibliotheken als Bildungseinrichtungen) und sie sind immer noch und angesichts des Vertrauensverlustes in  Presse und Politik ein Bildungs- und Machtfaktor der modernen Gesellschaft (Walter Umstätter: Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum) Sie geben uns die Werkzeuge und die Quellen, um das Getöse im Internet einzuordnen und zu verstehen.

 

Sie sind auch unsere Hilfe bei der Aufklärung. Nur mit aufgeklärten Bürgern hier wie dort kann eine Integration gelingen, mit dem Wissen um das fremde auf der einen Seite und dem Fremden auf der anderen.

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ISBN 978-3-9456-10-32-9

In einem Rausch eines fast zerstörerischen Liberalismus hat man die Axt an diese in Unkenntnis als altmodisch bezeichnete Institution gelegt, wie es Rainer Strzolka in „Der Kulturzerstörer“ belegt. Diesem Selbstmord der Kommunen setzt David Lankes in „Erwarten Sie mehr“, seinen Glauben an die Kraft der Bibliotheken für diese entgegen. Unsere Hoffnung für 2017 möge er in allem Recht behalten, für die Kommunen, für die  Menschen und ein humanes Miteinander.

Amerika, oh, Amerika, Land meiner Hoffnungen und Träume

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R.D. Lankes „Erwarten Sie Mehr!“, erscheint demnächst beim Simon Verlag für Bibliothekswissen

„Amerika war groß, mutig und stolz“, schreibt die Korrespondentin der Zeit in den USA, Frau K. Kohlenberg am 8. Dezember 2016 an ihre Tochter. „Es war so ganz anders als mein Zuhause.“ Dies trifft den Nerv einer ganzen Generation. Angesichts einer Tabula rasa nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur auf dem Gebiet der Politik, auch der Kultur, stürzte sich die jungen Generation auf Schau heimwärts Engel (Thomas Wolfe) und auf Dos Passos` Manhattan Transfer, Dieser, einer der ersten Großstadtromane, wurde zur begehrten Lektüre. Jazz, die Ethnomusikologie, neue Gebiete und neue Kultur fanden ein neues Selbstverständnis nach Abschottung und feindlichen Labels wie Negermusik und anderen Kulturschrott, der auch in der Nachkriegszeit verbreitet wurde.

Nicht nur in Berlin und Hamburg, sondern auch in Städten mit amerikanischen Soldaten wie Bremerhaven entstanden Clubs, neue Literatur und Neue Musik. Trotzdem blieb Deutschland so ganz anders auch für diese Tochter aus einem Beamtenhaushalt, geprägt durch Ängstlichkeit und Vorsicht. „Mein Vater hat mir beigebracht, überall Gefahren zu sehen und ihnen aus dem Weg zu gehen, weil sie die Welt so klein machte“, schrieb sie. Deshalb war Amerika auch für sie kein Sehnsuchtsort wie für viele andere, wie zum Beispiel, für viele deutsche Bibliothekare.

Amerikanische Bibliotheken fragten nicht nach guten Verwaltungsangestellten oder Bildungsbeamten, was sich leider in Deutschland trotz frühzeitiger Warnung für die Gefährdung der Demokratie (Paul Ladewig: Katechismus der Bücherei, Leipzig 1922, erweiterte Neuauflage, Berlin 2011) nicht durchgesetzt hatte. Bibliotheken waren in Amerika keine Orte durchorganisierter Struktur, sondern sie dienten in erster Linie dem Leser, Nutzer oder Patron, wie er in Amerika genannt wurde. Daher wurde auch das Prinzip des Vertikal File, dem Vorgänger von Google und Online-Katalog nie angenommen, man sah die Welt des Wissens akademisch und systematisch, auch wenn dies viele Menschen von der Nutzung der Bibliothek ausschloss (Simon, E.: Einführung in das Bibliothekssystem der Vereinigten Staaten, München 1989). Öffentliche Bibliotheken zum Beispiel erreichten erst später einen Nutzeranteil von 10% und mehr an der Bevölkerung. Dazu Frau Kohlenberg:

„Amerika war für diesen deutschen Vater laut und oberflächlich und hätte er die Wahl von Trump erlebt, sehe er alle Vorurteile bestätigt. Und doch – fährt sie fort –  es ist nur ein Teil der Wahrheit. …. Aber ich habe eine Hoffnung, Und die hat wiederum mit einem Unterschied zwischen Deutschland und Amerika zu tun. In Deutschland haben wir einen Staat, der auf die Menschen aufpasst, und wenn er es nicht gut macht, schimpfen wir. In Amerika dagegen packen die Menschen selber mit an, wenn der Staat nicht funktioniert.“

Die lokale Ebene, die Neighbourhood ist in den USA, wunderbar und eng geknüpft, man kümmert sich um den Nachbarn, man fragt nicht nach dem Staat, sondern versucht, die Probleme selber zu lösen.

Deshalb ist es kein Wunder, dass einer der besten Bücher über und für das Bibliothekswesen von einem Amerikaner David Lankes verfasst wurde und jetzt in deutscher Sprache vorliegt, herausgegeben glücklicherweise von einem „Lehrer“, für angehende Bibliothekare, Prof. H-Chr.Hobohm: Erwarten Sie Mehr!, Berlin 2017). Lankes beschreibt gute, sehr gute und exzellente Bibliotheken. Sie sind aber nicht gut oder exzellent, weil das Gebäude wunderschön ist und auch der Bestand ganz gut. Sie sind exzellent, weil sie Motor, Kreativposten und Mittelpunkt für eine Community sind. So endet das Buchauch: “If you expect your library to inspire you, to challenge you, to provoke you, but always to respect you beyond  your means to pay – then you expect a great libary. Go out andgetit“! Kann es eine bessere, überzeugendere Forderung für Bibliotheken geben?  „Das bewundere ich an den Menschen hier (USA), ihren Einsatz für eine Gesellschaft, die einem nichts schenkt. Und vielleicht ist es das, womit ich Dir Mut machen kann“, so endet Frau Kohlenberg ihren Brief an ihre Tochter. Und deshalb sollten sich Bibliothekare von dem hohlen Machtgeklingel von Trump nicht schrecken lassen und an ihrer Bibliothek  für ihre Community bauen. Das ist gar nicht so schwer, das erfordert Mut und Ausdauer, aber macht auch Freude. Also lassen Sie sich ermutigen, lesen Sie Lankes: Erwarten Sie mehr!