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Berlin.Berega

Berlin.Berega  – Ufer nennt sich die neue Zeitschrift, die unter der Herausgeberschaft von Grigorij Arosev seit 2015 im Simon Verlag- BW erscheint und am 15. Juni im Institut für Slawistik der Humboldt Universität  einem größeren  Publikum in Deutsch vorgestellt wurde.

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© Berlin.Berega Ausgabe 02/2016

Ufer oder Brücke war die unausgesprochene Frage, die auch über dieser Diskussion schwebte,  will dieses neue Organ eine Brücke bauen oder besser wieder aufbauen zwischen zwei Kulturen, die durch Jahrhunderte eng verbunden in den letzten Jahrzehnten hermetisch getrennt,  nun  wieder zu einander finden? Man darf nicht  vergessen, welche Veränderungen  diese Beziehungen unterworfen waren.  Mitte der siebziger Jahre war es einem Schüler West-Berlins, so z.B. Charlottenburg,  Russisch als Sprache zu wählen, nicht möglich, es gab neben den altsprachlichen Zug nur Englisch und Französisch. Die Annahme einer Einladung an die Bibliothekarin des Russischen Hauses in der Friedrichstrasse  zu dieser Zeit bedeutete für diese eine große Mutprobe, da sie in einen anderen Stadtteil fahren musste, ein Land, das sie nicht kannte und fürchtete, trotz ausgezeichneter Kenntnis der deutschen Sprache und Literatur.

Sie begab sich also an ein anderes Ufer.

Daher würden wir doch den  Terminus Ufer bevorzugen. Wenn das Ufer bekannt ist, dann überquere ich auch den Fluss und wenn es keine Brücke gibt, dann nehme ich den Kahn. Dieser Kahn ist die Annäherung zwischen Deutschen und Russen. Die Zeitschrift will der russischen Bevölkerung in Berlin und anderswo eine Brücke zu diesem fremden Land sein, mit Dichtung und Literatur in Russisch. Eine russischsprachige Zeitschrift, die über Deutschland informiert ist das beste Mittel gegen Abschottung, Ghettobildung und Xenophobie. Die Zeitschrift will auch jungen Autoren eine Bühne geben, sie schafft also Infrastruktur für junge Schriftstelle. Wie  wichtig und lohnend das ist, bewies die fesselnde Lesung (in deutscher Sprache) von Dimitri Watschenin. Geschichten, wir alle wollen Geschichten, wie man es wieder entdeckt hat (Anger: Bibliotheken – Houses of Stories) Dies war eine wunderbare Geschichte, wir hörten ihm gern  zu. Er hätte noch länger lesen können.

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© andreviebig

So sehr Zweisprachigkeit, Identitätssuche und Bildungsromane aus der Sicht von Auslandsdeutschen uns beschäftigen mag, in einem Punkt ist die heutige Situation nicht mit der aus der Vergangenheit vergleichbar und kann auch alle theoretischen und politischen Bemühungen um Integration sinnlos erscheinen lassen. Andererseits können  aber Zeitschriften wie die vorliegende eine neue Bedeutung erhalten, sie geben eine Nachhaltigkeit, die Projekte, welche auch sehr oft  vermissen lassen.

Berlin Wilmersdorf wandelt sich zu einem Viertel mit einer russischen Bevölkerung, ein kleines Hotel, ein Hermes Shop, ein Änderungsgeschäft alle mit einem sichtlich russischen Management und ein Zeichen dafür, dass sich hier eine Bevölkerung fast unbemerkt integriert hat, von dem Verlag Simon-BW gar nicht zu reden. Menschen, die mit ihrer Freundlichkeit, liebevoll Teile dieser Community sind – Politik interessiert sie nicht und eine Zeitschrift für ihre Dichtung und ihre Literatur haben sie jetzt auch noch. Ist das nicht wunderbar?

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Über Simon Verlag für Bibliothekswissen

Ich bin Geschäftsführerin des kleinen Fachverlages für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Zeitgeschichte und Musik. Ich bin seit meiner frühen Jugend Bibliothekarin und habe lange Zeit im internationalen Bibliothekswesen gearbeitet.

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