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Hier spielt die Musik

Hier spielt die Musik – Wer es um 1900 in Berlin schaffte, schaffte es überall. Berlin war der Nabel der musikalischen Welt. So groß war der Ruhm der jungen Reichshauptstadt, dass von überall her, Russland und England, Prag oder Lemberg junge Musiker und Musikerinnen strömten, um in den Konzertsälen oder Opernhäuser der Stadt aufzutreten. So auch die junge Pianistin Alma Stencel aus den USA, die hier auf eine große amerikanische Gemeinde traf. So schrieb der Tagesspiegel am Sonntag den 19. Juni als er ihrem Andenken und der Entwicklung des Pianos und seiner Künstler in dieser Zeit einen detaillierten Bericht widmete. Wie ist es  heute?

Musikalische Wettkämpfe nennt Professor Georg Maas von der Martin Luther Universität in Halle –Wittenberg seinen historischen Abriss alle- HalööHallüber solche von der Antike bis zu den politischen Musikwettstreiten zu Zeiten des deutschen Faschismus,  von dem amerikanischen  Kultfilm Casa Blanca bis zum deutschen  Friedemann Bach (Forschung und Lehre 5/6: 428).  Ein Hoffnungszeichen sieht er in der Lebensdauer des Eurovision  Song Contest, ein musikalischer Wettstreit, der Millionen über Landesgrenzen hinweg vor den Bildschirmen vereinigt. Wir können uns diesem Hoffnungszeichen nicht leichten Herzens anschließen, ohne uns auf den Streit zwischen E- und U-Musik wieder einzulassen, aber trotzdem darauf hinweisen, dass eine Musik ohne Entwicklung, eine Musik, die immer mehr Nebel, Licht und sonstiges Gehampel braucht, keine Musik für eine zuküntige Musikstadt Berlin ist. Es ist amüant aber hier spielt nicht die Musik.

Oaarwurm 2 wurde von einem Klavierabend mit Jonas Olsson eingeleitet. Vor einem fast ehrfürchtig lauschenden Publikum spielte der junge schwedische Pianist einen Beethoven, wie man meinte, noch nie gehört zu haben. Die Klavierkompositionen des Berliner Komponisten I/II/IV und VII zeigten, in welchen Bann Neue Musik die  Hörer führen kann. Hier spielte die Musik und zwar auf dem vornehmen Klavier, was wie fast kein anderes Instrument fesseln  Musik hörbar und die ganze kreative Schöpfung  fühlbar machen kann. Ein Abend, unvergessen und für die Zuhörer, und eigentlich für Berlin von großem Wert, obwohl solche Musik in Berlin nur armselige Heimstatt hat. Sie ist  bedroht, denn so wenig wir die Kreativität schützen, so sehr weckt sie Neid und den großen Drang  stehlend teilzuhaben. Wie unendlich schade und zwar nicht nur als beängstigende Warnung für uns, aber auch für alle, die meinen, sich damit zu bereichern.  Sie wissen nicht, dass man Einfluss und auch Ruhm stehlen kann,  die Zeugnisse wahrer Kreativität nicht. Liebe und Leidenschaft läßt sich auch in der Musik nicht erzwingen, geschweige denn kopieren.

Über Simon Verlag für Bibliothekswissen

Ich bin Geschäftsführerin des kleinen Fachverlages für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Zeitgeschichte und Musik. Ich bin seit meiner frühen Jugend Bibliothekarin und habe lange Zeit im internationalen Bibliothekswesen gearbeitet.

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